Junger Filmschaffender sucht Produzent: Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt…

Ein wichtiger Schritt in Richtung professioneller Produktion im Film ist die Zusammenarbeit mit Auftraggebern und Financiers. Im Bereich der Filmherstellung sind dies in erster Linie Produktionsfirmen; diese sind maßgeblich für den kaufmännisch-organisatorischen Bereich einer Filmproduktion zuständig. Filmschaffende stehen jedoch oft vor dem Problem, Auftrag- und Fördergeber oder KooperationspartnerInnen zu finden. Mit dieser Situation sind insbesondere junge RegisseurInnen am Anfang ihrer Karriere konfrontiert, vor allem dann, wenn sie diesen Zugang nicht über eine Ausbildung oder durch Tätigkeit in der Branche erhalten. In der überschaubaren österreichischen Filmlandschaft ist es schwierig, an Förderungen zu gelangen oder Verträge mit Produktionsfirmen abzuschließen, die bei der Herstellung des ersten (größeren) Filmprojekts helfen. In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, bereits eigene Filmprojekte vorweisen können. Doch wie lässt sich dieser Einstieg ohne oder nur mit sehr geringen finanziellen Mitteln vollziehen? Projekte müssen immer wieder aus eigener Tasche finanziert werden und erste Projekte werden vielfach nur durch den meist unbezahlten persönlichen Einsatz der daran mitwirkenden Personen ermöglicht. Dieser Ablauf trifft besonders für jene Personen zu, die keinen Zugang zu benötigten Ressourcen (Equipment, Teams, etc.) haben, wie er etwa im Rahmen einer filmspezifischen Ausbildung ermöglicht wird. Das persönliche Engagement tritt hier an die Stelle einer institutionellen Einbettung, das Wissen wird autodidaktisch angeeignet und die Werke auf einem finanziell sehr niedrigen Niveau produziert. Das folgende Beispiel zeigt jedoch, dass es möglich ist, auch auf diese Art, und durch die Qualität des Angefertigten, wichtige Kontakte zu potentiellen Förderern herzustellen. 

Was waren für Dich die entscheidendsten Schritte, um in dem Bereich arbeiten zu können?

„Den ersten Film hab ich eigentlich zu zweit mit meinem Arbeitskollegen gedreht, wobei er drei Rollen in dem Film gespielt hat; also du hast ihn wirklich mit Splitscreen zweimal im Bild gesehen. Das haben wir bei mir im Wohnzimmer gedreht, das war so ein ‘wir machen alles alleine und brauchen sonst niemanden‘, weil wir sonst eh niemanden gekannt haben. 

Und beim zweiten Film?

„Als wir dann mit dem großen Film angefangen haben, wollten wir den zuerst komplett auf eigene Faust machen, weil ich mir gedacht hab, dass sich vom Geld her schon alles irgendwie ausgehen wird. Machen wir das selber und fragen gar nicht groß herum, ob wir noch irgendwo Geld kriegen können. Dann war es aber so, dass wir doch die größeren Produktionsfirmen in Österreich angeschrieben und denen gesagt haben, dass wir im Sommer einen Film drehen, und wenn noch wer Interesse hat, uns da irgendwie zu unterstützen, soll er sich halt melden.“

Und was ist dann passiert?

„Wir haben das Drehbuch mitgeschickt und dann ist von XY [einer etablierten Produktionsfirma, Anm.] die Rückmeldung gekommen, dass ihnen das Drehbuch gefällt und dass ich einmal mit ihnen reden soll. Und als wir uns treffen, sagt er uns dann, es gefällt ihm, und sie würden ganz gern etwas machen. Aber sie wollen einmal was von mir sehen, das ich schon gemacht habe. Naja, und dann geb ich ihm diesen Film, den ich gemacht hab, in die Hand und – war dann eine lustige Geschichte – er sagt dann: ‘Das schauen wir uns jetzt an, aber im Geheimen. Sie gehen jetzt nach Hause und wir melden uns bei Ihnen‘. Das war so ein: ‚Wir rufen an, aber rufen Sie ja nicht uns an‘.“

Und die haben sich dann nochmals gemeldet?

„Und als ich daheim aus dem Auto aussteige, läutet schon mein Handy, und er sagt: ‚Ja, das gefällt uns, da machen wir was.‘ Und so ist das dann entstanden. Auf diese Weise hat mich dieser Kurzfilm wieder zum nächsten Film gebracht. So sehe ich es halt immer: Der Film, den wir jetzt gemacht haben, ist unsere Visitenkarte für den nächsten Langspielfilm. Das geht  immer so stufenweise weiter, wobei ich mir halt immer denke, ja, der nächste Film muss um Klassen besser sein als der letzte, damit er mich zum übernächsten hinbringt. Sonst hat es da eigentlich keine Knackpunkte gegeben in meinem Leben, weil von der Einstellung her war es immer klar, dass ich Regisseur sein möchte, da habe ich keine äußeren Ereignisse gebraucht.“

Diese Interviewpassage zeigt die künstlerischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Anforderungen, die junge Filmschaffende erfüllen müssen. Es gestaltet sich schwierig, Projekte mit geringen Mitteln (oft aus eigener Tasche) zu realisieren. Kontinuierliches Arbeiten ist aber wichtig, um in weiterer Folge potentielle AuftraggeberInnen bzw. Förderungsinstitutionen als KooperationspartnerInnen und Financiers zu gewinnen. Wenn die finanziellen Mittel oder der Zugang zu GeldgeberInnen nicht vorhanden sind, kann es sich als geeignete Strategie erweisen, auf Basis der bis zu diesem Zeitpunkt in „Eigenregie“ hergestellten Werke den Kontakt mit Institutionen oder AkteurInnen in der Branche zu suchen. 

Vom gleichen Gesprächspartner:


Verwandte Artikel: