Ganz konkret am eigenen Marktwert arbeiten. Zukunftspläne einer Architektin

Aufgrund der problematischen Arbeits- und Arbeitsmarktsituation, die viele ArchitektInnen trotz hoher Motivation in die Scheinselbständigkeit oder Unselbständigkeit in Unternehmen drängt – und dennoch von steter Unsicherheit und Druck gekennzeichnet ist –, können viele in der Branche ihre Berufsplanung nicht wie gewünscht umsetzen. Die hohe Identifikation mit der Arbeit und die in der bisherigen Laufbahn erbrachten „Opfer“ führen dann oft dazu, dass trotz des Wunsches nach Veränderung am Ziel, als ArchitektIn erfolgreich und anerkannt zu sein, festgehalten wird, obwohl dies im Architektur-Bereich mit seinen limitierten Beschäftigungs- und Aufstiegsmöglichkeiten ein schwieriges und riskantes Unterfangen darstellt. 

Sie sagten, Sie müssten sich eigentlich auch beruflich weiterentwickeln?

„Es stellt sich jetzt die Frage, inwieweit ich denn diese Position modifizieren kann, oder ob die so starr ist, dass ich sie wechseln muss. Diese Frage stellt sich durchaus im Augenblick.“ 

Gibt’s da Möglichkeiten, haben Sie Vorstellungen?

„Ich habe ein Angebot. Und treff mich… ich werde mal schauen, was mir die anbieten und ob es diese Form der Zusammenarbeit gibt. Also ich denke mir grundsätzlich, was es nicht gibt, kann man machen. Möglicherweise gegen Widerstände, dann dauert es halt ein bisschen länger. Aber, wie gesagt, ganz glücklich bin ich hier nicht und ich sehe mich durchaus in einer leicht modifizierten Position, die auch ein bisschen höher liegt. Weil ich bin schwer unterzuordnen und zu integrieren. Und ich übernehme gerne Verantwortung. Und ich bringe gerne Dinge in Bewegung. Damit bin ich nicht das Idealbild eines untergeordneten Mitarbeiters. Und ich hab schon Angestellte gehabt. Und dahingehend versuche ich es einfach zu modifizieren. Jetzt weiß ich, dass die Firma, wo ich jetzt hauptsächlich arbeite, dazu nicht bereit ist.“

Dort sind Sie, was die Position betrifft, fast wie eine abhängig Arbeitende? So wie Sie behandelt werden?

„Ich sage mal, durchaus. Unter Anführungszeichen. Kann sich das so anfühlen. Ja. Es ist ein ganz seltsamer Hybrid, der sich dort abspielt.“

Und was würde dann Karriere bedeuten?

„Eine Entwurfsabteilung zu leiten. Ja, durchaus auch in einer leicht übergeordneten Position, jetzt nicht, weil ich so gern Chef spiele und so gern Befehle austeile und so. Ich glaube, dass ich ganz gut vorne weg rennen kann. Ich bin dann auch die Erste, die eine drüber kriegt, das ist mir völlig klar. Und ich bin auch diejenige, die auch schützt, was hinter ihr ist. Ja. Tu ich durchaus gerne. Und deswegen meine ich... Für mich ist der Mensch, der darüber ist, nicht unbedingt der, der zuerst den Heiligenschein bekommt, sondern der, der zuerst die Watschen bekommt. Ja. Und das mache ich durchaus gern. Ich fühle mich eher unwohl, wenn ich diese Kompetenz und Verantwortung abgegeben muss. Aus diesem Grund sage ich jetzt, weil ich das geschnallt habe, auch meinen Kunden: ‚Ruft mich an! Ich mach das dann schon. Aber ruft mich an! Übergeht mich nicht!‘ 

Ein gewisses Maß an Unabhängigkeit scheint Ihnen sehr wichtig zu sein – und das klappt in der gegenwärtigen Konstellation nicht so wirklich, wenn ich Sie richtig verstehe?

„Ich habe die Freiheit sehr geschätzt. Das war die Geschichte. Dass ich nicht gedacht hätte, dass ich das so schätzen würde. Frei zu sein. Und dass ich aus dem Grund nicht präzise sagen kann, wie ich mir die berufliche Zukunft im Idealbild der Kariere vorstellen kann. Und dass ich einfach festgestellt habe, dass ich schwimmen kann.“

Sie haben gesagt, dass es ungefähr Halbe, Halbe war. Dass es für Sie nicht ganz gradlinig gelaufen ist.

„Genau, dass es an mir lag und an den Umständen. Ja.“

Dass Sie aber eigentlich zufrieden sind.

„Ja. In einer Zeit, in der sich die Wirtschaftslage … ich hänge unmittelbar mit dem Markt zusammen und mit der Kaufkraft und der wirtschaftlichen Befindlichkeit und Bereitschaft der Menschen, für etwas Geld auszugeben, das vordergründig immateriell ist, weil Beratung, Entwurf, Planung ist in erster Linie eine virtuelle Leistung. Und diese Bereitschaft hat in den letzten zehn Jahren sukzessive abgenommen. Die Bauwirtschaft hat sich wieder ein bisschen erholt, aber 98, 99 hat es einen extremen Einbruch gegeben. Und über diese Zeit habe ich mich, bitte, gehalten. Ich habe es überlebt, eine ganz schlimme, trockene Phase. Allein. Aus eigener Kraft, unter Beibehaltung von Leidenschaft und Begeisterung und mit großer Flexibilität und Bereitschaft, Dinge dazu zu lernen und, wenn es notwendig ist, ganz viele unterschiedliche Sachen zu machen. Und da muss ich sagen, da klopf ich mir auf die Schulter.“ 

Ja, das glaub ich. Ich habe noch eine Frage: Was machen Sie in fünf Jahren?

„Ich bin super-berühmt und reich. (lacht) Nein, das würde ich einer Fünfjährigen ins Stammbuch schreiben. Habe ich sogar schon einmal gemacht, muss ich sagen. Was willst du werden, wenn du groß bist? Reich und berühmt. Wo sehe ich mich in fünf Jahren? Dann bin ich 47, tolles Alter, da sehe ich mich als kreativ… als gestalterisch verantwortlich, kommunizierend tätig, in einer übergeordneten Situation. Entweder in meinem Büro oder als Co, oder als Freelancing Consultant. Irgendwo, wo meine Kompetenz geschätzt wird, endlich. So sehe ich mich ungefähr. Ich arbeite jetzt auch ganz konkret an meinem Marktwert, auch mit einer kleinen Homepage. Ich bin auch ein bisschen offensiver geworden, was die Definition dessen betrifft, was ich kann und was ich tue. Und ich weiß inzwischen, dass ich einiges kann. Und dann sage ich es auch und zeige es auch und hänge es auch raus. Und das ist auch Teil des Jobs. Wenn man keine PR-Abteilung hat, dann muss man das auch noch selbst machen.

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