"Fünf Freunde, das sind wir“. Aber wie lange noch?

Geradezu „Klassiker“, vor allem am Anfang der Berufslaufbahn, sind Situationen, wo sich mehrere Freunde für ein selbständiges Business zusammentun bzw. mehr oder weniger geplant in ein solches hineinwachsen. Probleme können entstehen, wenn verabsäumt wird, möglichst frühzeitig zumindest grob zu definieren, nach welchem Schlüssel die zukünftigen Leistungen und Erträge aufgeteilt werden sollen. Weil oft bereits nach kurzer Zeit die Prioritäten der Beteiligten auseinander gehen und zudem Freunde nicht gerne über Berufliches streiten, weil sie ja nicht „ohne Not“ die Freundschaft riskieren wollen, erwachsen paradoxerweise infolge der ersten größeren Erfolge – z.B. bei einem überdurchschnittlichen Projektumsatz – Konflikte, die sich mangels geeigneter Vereinbarungen als beinahe unlösbar herausstellen können. Die Trennung erfolgt dann eher abrupt und nur selten im Sinne aller Beteiligten. Das Beispiel eines Unternehmers, der mittlerweile allein eine Produktdesignfirma betreibt, veranschaulicht, wie aus einer Konstellation von fünf Freunden schon nach einem halben Jahr nur mehr zwei übrig geblieben sind.

"Was theoretisch natürlich immer ein riesiges Konfliktpotenzial birgt im Kreativbereich, ist, wie soll ich sagen, es passiert oft, dass Dinge nicht richtig definiert sind im Vorhinein. Das passiert denen, die das [zusammen arbeiten] nicht dauernd machen. […] Dann treffen sie sich einmal und sagen: ‚He, das funktioniert mit uns, machen wir doch etwas gemeinsam‘, ohne Vertrag, ohne sich das alles durchzudenken. […] Das ist am Anfang so eine relativ lose Beziehung, und dann macht man halt einmal etwas zusammen. Und dann funktioniert es, dann kommt einmal irgendwann der Auftrag und dann kommt irgendwann das Geld. Und das birgt immer ein gewisses Konfliktpotential, es wird dann nicht definiert davor, was passiert dann? Dann kann irgendein Streit entstehen, der eine sagt: ‚Ich arbeite mehr an dem Projekt als du, deshalb muss ich auch mehr Geld kriegen!‘ Oder: ‚Mein Part ist wichtiger als deiner!‘ Oder: ‚Das Design ist ja von mir eigentlich.‘ Dadurch, dass das bis zu einem gewissen Grad doch relativ subjektiv ist … es gibt auch bei den ganzen Designbüros, die anfangen, dann nach zwei, drei Jahren, wenn dann die ersten Projekte umgesetzt sind, wenn die irgendeinen Preis kriegen und ein Auftrag kommt, mit viel Budget, wo man sagt ‚ok, jetzt gibt es was zu verdienen‘, dann ist meistens Konflikt. Dann übernimmt plötzlich einer, der sagt, ‚das kann ich eigentlich alleine auch, da brauch ich nicht die andern zwei bezahlen‘. Da spaltet sich das alles auf und das birgt die Gefahr, sag ich jetzt einmal. Natürlich, wenn man das zweimal oder dreimal mitgekriegt hat, dann definiert man das im Vorhinein."

Tritt dieses Problem bei gemeinsamen Gründungen von Freunden im kreativen Bereich eher auf?

"Es gibt schon die Situationen, wo dann jemand sagt, ‚die Idee war von mir‘, das ist so diese typische Situation … das hat nichts mit kreativ zu tun, sondern mit, naja, eigentlich schon, du musst irgendwie was machen, was Geistiges schaffen quasi, das nicht nur irgendwie das Abarbeiten eines Ablaufs ist. Das ist ja nie so genau fassbar. Da kannst du diskutieren, welcher Teil war wichtiger, deiner oder meiner, das ist dann durchaus ein Konfliktpotential. Ich glaube, dass an dem die meisten dann scheitern."

Ist ihnen sowas schon einmal passiert?

"Ja, die erste Designfirma, die haben wir zu fünft damals gegründet. Das ist nach einem halben Jahr aus gewesen, aus genau diesen Gründen. Da hat man gewusst, da brauchen wir gar nicht weiter machen, das hat keinen Sinn."

Wie ist das genau abgelaufen?

"Wir waren alle Studienfreunde, und es war so, in erster Linie kam der Freundeskreis und in zweiter Linie das Geschäft. Und deswegen haben wir nie definiert, wie schaut die geschäftliche Aufteilung aus. Es hat jeder, wie soll ich sagen, andere Prioritäten gehabt. Der eine ist allein und will 60 Stunden investieren in der Woche und der andere hat eine Familie und will nur 40 Stunden investieren. Und der eine will Geld verdienen und der andere, dem ist das nicht so wichtig, der muss nicht so viel Geld verdienen. Es hat jeder irgendwie einen anderen Zugang gehabt, und das war dann nicht definiert. Und das zu teilen birgt enormes Konfliktpotential, weil der eine voll reinhackelt, der wird sich natürlich denken: ‚Warum soll der andere, der quasi nur die Hälfte meiner Zeit da ist, warum kriegt der das Gleiche?‘ Das ist schwer, wenn man das erst zu einem späteren Zeitpunkt klärt und das nicht von Vornherein klar ist, wie das abläuft, also z.B.: ‚Ich habe das vor und ich will so viel investieren und wir teilen nach diesem Schlüssel‘, oder: ‚Du machst dieses und ich mache jenes‘. Wenn das definiert ist, ist es natürlich kein Thema mehr. Aber meistens ergibt es sich …[zu spät]…, dann kommt ein Projekt rein und man macht das gemeinsam und das macht Spaß und es ist lässig und alles funktioniert. Und dann irgendwann kommt halt der Punkt, wo man dann anfangt zum Abrechnen, da gibt’s keine andere Lösung, also das ist eigentlich fast immer so, wobei das wahrscheinlich nicht nur beim Design so ist, sondern in jeder Art, wo sich Freunde zusammenfinden."

Und wie ist der Fall dann ausgegangen?

"Wenn es definiert gewesen wäre am Anfang, wäre es wahrscheinlich überhaupt kein Thema gewesen, nur, da waren wir ganz einfach fünf Freunde, die das halt gemeinsam machen wollten. Aber es war nicht definiert. Zwei wollten jetzt Vollgas machen und ein anderer macht mit bis zu einem gewissen Grad. Am Anfang, wenn nichts reinkommt, ist das ja wurscht. Der eine hackelt wie ein Blöder und der andere nicht so viel, das ist egal, weil wenn nichts da ist, dann ist eben nichts da … und jeder kriegt gleich viel oder gleich wenig vom Kuchen. Wo dann die großen Projekte da waren, für die ist das ja nur so ein Nebending, für mich aber nicht. Wäre das am Anfang definiert gewesen, wäre es wahrscheinlich kein Thema gewesen. Nur es war dann nicht mehr zu retten. Dann fangen so kindische Kleinigkeiten an, und dann wird alles abgezählt und es bringt halt nichts mehr. Aus dem lernt man natürlich und kann das vorher auf jeden Fall definieren. Von dieser Seite hat es dann nie mehr einen Konflikt gegeben, also das war nie mehr Thema, wobei das eben so war, dass wir dann nur mehr zu zweit waren. Wie gesagt, natürlich ist das dann anders als bei fünf, du kannst relativ schnell etwas entscheiden. Und dadurch, dass danach die Aufteilung von vornherein eigentlich klar war, wer macht was, wer ist wofür zuständig – wenn es etwas Organisatorisches gab, war es der eine, wenn es um ein technisches Detail gegangen ist, der andere – es war gut definiert und dann funktioniert es auch gut. Das ist irgendwie der Schlüssel, das vorher zu definieren. Man wächst immer so rein, und wenn man dann rechtzeitig den Punkt findet, Sachen vorher abzuklären, ist es nie ein Theater. Schwer wird es dann, wenn man mal darüber streitet, dass dann auch wieder halbwegs hin zu bekommen. […] Ich glaube, das einzige, das man machen kann, ist, dass man im Vorhinein solche Sachen anschaut und eben zukünftige Gefahrenpotenziale sich ungefähr vorstellt und das ausdiskutiert. Ich glaube, ab dem Zeitpunkt, wo es wirklich zum Streit kommt …[ist es zu spät]… weil der Streit eskaliert extrem schnell."

Auf die abschließende Frage, ob und inwieweit das dargestellte Beispiel generalisierbar ist, ob also in der Designszene überwiegend Freunde miteinander arbeiten oder eine solche Konstellation eher die Ausnahme ist, antwortet der befragte Unternehmer wie folgt:

"Die engen Kooperationen, wo du gemeinsam längerfristig etwas machst, sind meistens gute Bekannte oder Studienkollegen aus dem selben Semester, die sich seit Jahren kennen und die befreundet sind. Das kriegt natürlich immer gleich einen anderen ‚Touch‘. Also das sind dann nicht zwei Profis, die gemeinsam etwas machen, sondern zwei Freunde, die gemeinsam etwas machen. Du vermischt dann halt irgendwie auch private Sachen … du streitest dich irgendwie über ein politisches Thema, und sitzt dann im Büro nebeneinander. Und das ist ein Konflikt, der zu lösen ist, der aber mit dem Beruf gar nichts zu tun hat. Solche, die sich nur vom Beruf her kennen und dann zusammenarbeiten, da kenn ich von den Wiener Büros keine, da gibt’s jetzt keine, das kann ich mir bei keinen von denen vorstellen. Das sind eigentlich lauter Studienkollegen und Kolleginnen. Ich glaube nicht, dass es viele gibt, die das eigene Privatleben komplett voneinander trennen können."

Vom gleichen Gesprächspartner:


Verwandte Artikel: