Frauen-Design-Duo I: "Es ist schon so, dass Frauen sozialer sind."

In diesem Beispiel geben wir Auszüge eines Interviews mit einer Designerin wieder, die gemeinsam mit einer Partnerin seit mehr als fünf Jahren ein gut laufendes Label betreibt. Im Gespräch wurde u.a. die Frage gestreift, ob selbständige Frauen anders, d.h. besser zusammenarbeiten als Männer in derselben Branche.

Wie ist es zur Selbstständigkeit gekommen?

„Ich habe gemerkt, dass es relativ wenig attraktive Ateliers gab, wo es mich interessiert hätte zu arbeiten und ich wollte aber in Wien bleiben. Ich hatte immer schon den Wunsch und das Ziel, an eigenen Projekten zu arbeiten. Habe da mal angefangen und eine Partnerin eben auch gefunden, mit der ich studiert habe. Wir haben versucht, da selbständig anzufangen und zu schauen, wie das funktioniert. Ja, und das klappt gut.“ 

Hat es da vorher Überlegungen gegeben, wieso Ihr zusammen gefunden habt?

„Das war eine strategische Überlegung … entstanden ist es dann über zwei Projekte, wo wir uns entschieden hatten, die wollen wir als Probeprojekte zusammen angehen und schauen, wie das funktioniert. Das hat gut geklappt. Dann haben wir uns entschieden, wir gründen die Firma, also gründen in Anführungsstrichen, d.h. wir setzen uns zusammen, Steuernummer und so haben wir dann etwas später gemacht. Es ist ja relativ unkompliziert in unserem Kreativbereich…“

Und eure Arbeit, die Arbeitsteilung, wie würdest du das bezeichnen?

„Das ist relativ gleich verteilt … ist quasi schon ein Großteil Kreativarbeit und Entwurf; kreatives Denken. Es kommt viel Organisation und Management dazu, was zusammenfließt. Ja, das ist es so ganz kurz.“ 

Ist das ein Gegensatz [Kreativarbeit und Organisation], widerspricht sich das oder sagt man da, das gehört dazu? Machst du das auch gerne?

„Das sind zwei unterschiedliche Sachen. Es ist gut, wenn man beides kann und sich für beides interessiert. Das ist bei uns ähnlich, wir sind sehr kreativ, aber wir sind auch wirtschaftlich daran interessiert, wie das weitergeht. Ob man die Dinge auch verkaufen kann…“

Gibt es da bei Euch eine Aufteilung?

„Nein, gar nicht, wir tun das beide … das hat sich ergeben durch unsere Fähigkeiten, und die sind recht ähnlich, zum Teil auch unterschiedlich. Wenn die Arbeit jetzt mehr wird, ist es schon so, dass wir uns Projekte eher teilen, wo wir sagen, ‚mach du eher dies und ich mache das‘. Da setzen wir uns schon hin und schauen, wer was nimmt. Aber das ist eher in letzter Zeit gewesen. Früher konnten wir in ähnlicher Intensität an allem arbeiten.“ 

Habt ihr eine Nische oder seid ihr breiter unterwegs?

„Wir haben schon eher die Frauennische, die gar nicht so klein ist. Wobei, wenn man das im Groben anschaut, die Designlandschaft, da sind die Frauen schon untervertreten … da glaube ich, ist es irgendwie positiv, dass wir zwei Frauen sind. Das bringt uns viel, wir haben mehr Stärke. Von der Konzeption, vom Entwurf und der Ausrichtung haben wir vordergründig keine spezielle Nische. Also wir sagen nicht, wir machen sehr wirtschaftliche, sehr konzeptionelle oder sehr freie Sachen. Sondern im Ansatz, wie wir rangehen, ist das sehr individuell … der Output ist unterschiedlich.“ 

Es gibt viele 2er-Teams bei Frauen in der Kreativszene. Kooperieren Frauen besser?

„Das ist eine gute Frage, ich habe mir da noch keine Gedanken gemacht. Aber bei Frauen im Team … sie sind es vielleicht eher gewohnt. Es ist schon so, dass Frauen sozialer sind, im Durchschnitt. Ich begebe mich da auf Glatteis (lacht). Es ist schon eher eine weibliche Eigenschaft, viele Freundinnen zu haben, viele Kontakte. Männer haben im Durchschnitt weniger, aber gute Freunde. Also das ist sicher eine weibliche Fähigkeit, im Team arbeiten zu können. Ja, es ist anscheinend eine super Kombination, denke ich, zwei Frauen…(lacht). Aber das hängt von den Personen ab, wir sind beide sehr vorsichtig, achten und schätzen den anderen sehr. Also niemand stülpt dem anderen einen Vorschlag über, oder eine Idee. Wir respektieren den anderen. Ja, wir streiten eigentlich nie, wir nähern uns in Schritten an, in einem Prozess ist es so, dass wir gemeinsam entwerfen und zeichnen, dann reden wir und setzen uns hin, und denken nach und schreiben und zeichnen und tauschen Ideen und Ansätze aus. Manchmal hat die eine daheim eine Idee, unterwegs, dann bringt sie die auch mit und wir reden da drüber: Was sagt die andere dazu? Das ist eigentlich eine sehr gleichberechtigte Sache, dass jeder die Ideen einbringt. Das wird in einen Topf geworfen, und dann arbeitet und entwickelt man daraus das Produkt oder das Projekt, grob gesagt.“ 

Hat es da mal Probleme gegeben? Konflikte?

„Wirklich Konflikte nicht, aber [Umstellungen durch eigene Kinder]. Wir haben dann eine Mitarbeiterin dazu genommen, das funktioniert ganz gut…“

Wie habt ihr euch das mit den unterschiedlichen Arbeitszeiten ausgemacht?

„Das wird nach einem Geldprozentsatz verteilt, dass wir unterschiedlich verdienen, nach Stunden. Es war gar nicht so sehr das Geld, sondern wie tritt man als Team auf, wenn es ungleich ist, wer macht welche Sachen? Das Geld ist recht einfach zu regeln, das andere ist eher mit Einstellung und Bereitschaft, zurück zu stecken und so. Das ist eher zwischenmenschlich, wo man dann reift an den Schwierigkeiten.“ 

Das wurde besprochen und ausgemacht?

„Ja, in vielen Gesprächen. Wir haben auch ein Coaching gemacht, haben das aktiv gemacht.“ 

Abschließend: Wie wird es weitergehen mit dem Unternehmen?

„Wir planen gar nicht besonders voraus. Unser Wunsch ist nicht, fünf Mitarbeiter oder Angestellte zu haben. So wie es ist, dass wir nah dran sind, dass wir uns beide entfernen können, umsetzen, Kontakt mit dem Kunden haben, das taugt uns und das ist eine Qualität. Wenn man jemand vorschickt, oder man hat Mitarbeiter im Hintergrund, da gibt man viel aus der Hand. Das ist sicher auch toll und man verdient sicher mehr Geld, aber so wie es jetzt ist, taugt es uns gerade mehr. Kann sich auch ändern, in ein paar Jahren…“

Vom gleichen Gesprächspartner:


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