Sofa Surfers

Webseite(n):
www.sofasurfers.info/
Ansprechperson:
Wolfgang Frisch, Michael Holzgruber
Beteiligt:
Wolfgang Schlögl, Wolfgang Frisch, Michael Holzgruber, Markus Kienzl, Timo Novotny, Mani Obeya
Typus:
Unternehmen
Branche:
Musik
Rechtsform:
Sonstige
Recherche:
2010
Durchführung:
Alfons Bauernfeind / Hubert Eichmann

Eine Band – mehr als die Summe ihrer Teile?

"Wir haben Gitarren, das Klavier und den Bass, wir haben das Schlagzeug, den Gesang und all das. Ist in guten Momenten, für eine Weile, mehr als die Summe der einzelnen Teile." (Kante, Popband aus Hamburg)

Eine Band gilt als spezieller Fall der Kooperation, da Musik im besonderen Ausmaß das Zusammenspiel, das aufeinander Hören und Eingehen der einzelnen Bandmitglieder erfordert. Eine gut eingespielte Band könnte als Metapher für das ideale Team stehen: Sensibilität für Ideen der Anderen, Rücksichtnahme, Rollenaufteilung und Rollenbewusstsein, Ausgewogenheit der Teammitglieder im Gesamtmix und viele Eigenschaften mehr werden guten Bands zugeschrieben. Ob es sich um Jazzimprovisationen oder um eine Rockband handelt, jeweils zählt der Live-Moment, wo alle Mitglieder an einem gemeinsamen Ziel arbeiten. Weniger die Solokunst des Einzelnen, sondern das Gesamte steht bei einer Band im Vordergrund. Der Solo-Gitarrist ist nur so gut wie der Bassist und der Schlagzeuger, die ihn tragen und ihm den nötigen Raum zur Entfaltung geben. Und einmal ehrlich: Wer möchte heute noch ein zehn Minuten langes Gitarren-Solo hören? Zuviel des Guten wirkt wie ein Einheitsbrei, deshalb ist die Dynamik, die Abwechslung, die Phrasierung, die Interaktion der einzelnen Mitglieder von essentieller Bedeutung. Aus all den genannten Gründen war es uns ein Anliegen, die Kooperationspraxis in einer Band darzustellen.

Gründung und Erfolge

Die Band Sofa Surfers wurde Mitte der 1990er Jahre gegründet. Die Sofa Surfers veröffentlichten bislang sechs Longplayer, mehrere Ep’s, gewannen 2010 den Amadeus Award für Electronic / Dance, produzierten den Soundtrack zu mehreren Filmen, unter anderem für die Brenner–Trilogie von Wolf Haas, mit Josef Hader in der Hauptrolle als Brenner.  Für die Falldarstellung wurden der Gitarrist Wolfgang Frisch und der Schlagzeuger Michael Holzgruber interviewt. 

Etwa seit 1995 feilten die Sofa Surfers an ihrem speziellen Sound aus elektronischer und Rockmusik, nachdem drei Gründungsmitglieder schon davor in der Rockband Redred Rosary zusammen gespielt hatten. In dieser Band konnte die Vertrauensbasis unter den Mitgliedern geschaffen und erste Achtungserfolge erzielt werden. Die Songs der Band wurden meist gemeinsam erarbeitet. Als die Sofa Surfers 1997 ihr Debutalbum veröffentlichten, fand es in der österreichischen Clubkulturszene sofort positive Resonanz. Walter Gröbchen, damaliger A+R Manager von Universal (A+R-Manager sind Berater von Majorlabels), hörte die Band bei einem ihrer ersten Auftritte und handelte einen internationalen Majordeal aus, BMG konnte als Verleger gewonnen werden. Erstmals war es für die jungen Bandmitglieder realistisch, von der Musik leben zu können. Immerhin wurden für jedes Bandmitglied 200.000 Schilling als Vorschuss vorausbezahlt. Für die Sofa Surfers war das damals sehr viel Geld. Die Bandmitglieder hätten nicht im Traum daran gedacht, dass ihre Musik eine Million Schilling einspielen könnte. Deshalb wurde der Deal angenommen, ohne viel zu hinterfragen. Heute meinen die Musiker allerdings selbstkritisch, dass sie zu sehr von dieser Geldsumme beeindruckt gewesen wären, sie hätten besser darauf achten sollen, dass die Band mehr am Gewinn beteiligt ist. 

Mit dem Debutalbum hatte man nicht nur einen Majordeal, sondern auch eine Tournee in der Tasche, man spielte innerhalb von zwei Monaten europaweit 40 Konzerte. Dabei fühlten sich die Sofa Surfers beim Kick off in der prall gefüllten Münchner Muffatthalle schon als Stars – um am darauf folgenden Tag in Ulm vor drei zahlenden Gästen auf den Boden der Realität zurückgeholt zu werden. Nicht einmal warmes Wasser kam im Februar aus der Dusche des „Hotels“. Dennoch verlief die damalige Europatournee sehr erfolgreich und der Marktwert der Band konnte deutlich gehoben werden. 

Zusätzlich förderte 1998 ein Remix von Richard Dorfmeister die Karriere der Musiker. Richard Dorfmeisters und Wolfgang Schlögls Freundinnen waren einander gut bekannt, deshalb remixte Dorfmeister für verhältnismäßig wenig Geld einen Track und veröffentlichte ihn gemeinsam mit Peter Kruder auf dem Doppelalbum K&D Sessions. Dieses Album brachte nicht nur Kruder und Dorfmeister den internationalen Durchbruch, auch die Sofa Surfers konnten sich dadurch international einen Namen machen. Nicht die breite Masse, sondern eine weltweit vernetzte spezifische Subkultur wurde auf die neue österreichische Musik aufmerksam. 

Organisatorisches

Die Band ist seit 12 Jahren als ARGE (Arbeitsgemeinschaft) organisiert. Diese Rechtsform wurde von der Steuerberaterin empfohlen, da es die loseste und billigste Kooperationsform ist. Dieser formale Akt war notwendig, da man für diverse Konzertveranstaltungen eine einheitliche Rechnungsanschrift benötigte und es zu umständlich war, wenn jedes Bandmitglied einzelne Honorarnoten an den Veranstalter ausstellen sollte. Gleichzeitig wurden die Geldströme transparenter, die Bandmitglieder werden aus der Gemeinschaftskassa der ARGE ausbezahlt.  

Das damalige Management der Sofa Surfers wurde über Kleinrecords abgewickelt, dessen Mastermind Christian Candid ungewöhnliche, aber erfolgreiche Kooperationen zustande brachte: „Christian Candid, der Labelbetreiber von Kleinrecords, baute ein internationales Netzwerk aus passenden Vertriebspartnern aus dem Indie-Bereich auf. Gleichzeitig zeigte er aber auch keine Berührungsängste mit Major-Plattenfirmen. Mit Universal Austria und dem Wiener Bookingagenten Wolfgang Mitter (Miooow) hat Candid eine in dieser Form ziemlich einzigartige Kooperation betrieben: Alle drei Partner arbeiten bei einigen ausgesuchten Acts zusammen, für die man dann eine jeweils passende Vertriebsstrategie entwickelte. Wolfgang Mitter sorgte beispielsweise für die Livebetreuung, während sich Major- und Indielabel je nach Band ausschnapsen, ob im Ausland Kleins Indie-Vertriebsnetzwerk besser geeignet ist oder nicht doch eine von Universals Subfirmen.“ (vgl. Falter 43/2006, www.falter.at/web/print/detail.php?id=369)

Die Kooperation mit Kleinrecords hielt rund 10 Jahre, allerdings endete die Zusammenarbeit mit einem Rechtsstreit. Nach dem Ende der Kooperation mit Kleinrecords wurde ein eigenes Label gegründet (Monoscope), darüber hinaus konnte mit Roughtrade auch ein internationaler Vertriebspartner gefunden werden. Ohne hier auf die Hintergründe des Rechtsstreits mit Kleinrecords einzugehen, sei darauf verwiesen, dass eine von mehreren Ursachen der Streitangelegenheiten darin bestand, dass nur sehr lose Verträge bzw. mündliche Vereinbarungen zwischen den einstigen Freunden vorlagen – und der Interpretationsspielraum dementsprechend offen und unklar blieb: „Nachher ist man immer gescheiter. Also vor 10 Jahren … da waren wir schon blauäugiger, natürlich“ (Frisch/Holzgruber). 

Musikmachen: Allein oder gemeinsam?

In der mittlerweile langjährigen Geschichte der Sofa Surfers gab es unterschiedliche Musik-Spielpraktiken. Je nach musikalischer Phase pendelte die musikalische Produktionsarbeit zwischen Allein- und Teamarbeit. Die technischen Entwicklungen Mitte der 1990er Jahre machten es möglich, mit verhältnismäßig geringem Budgetaufwand, alleine am Computer Musik zu produzieren. Die „digitale Mediamorphose“ führte zu mehr Autonomie der Musikschaffenden (das betrifft natürlich im gleichen Maße Grafiker, Filmproduzenten u.v.m.), die Musik selbst wurde von den technischen Rahmenbedingungen und den neuen Möglichkeiten verändert. Clubmusic war mehr und mehr von repetitiven, durchgehenden Rhythmen und Trance fördernden Soundflächen geprägt. Die Sofa Surfers waren von der neuen Entwicklung begeistert und nutzten den technischen Wandel dahingehend, dass auch sie die Tracks vorwiegend alleine produzierten und sich gegenseitig die Produkte per Mp3 zusandten bzw. gemeinsam weiter bearbeiteten. Natürlich gab es nach wie vor einen Proberaum, wo die Live-Show einstudiert wurde, die Hauptarbeit erfolgte jedoch im Alleingang mit daran anschließender Kompilation der einzelnen Teile.

Für das „Rote Album“, das im Jahr 2005 veröffentlicht wurde, arbeitete die Band erstmals mit einem fixen Sänger zusammen. Zusätzlich wurde die kreative Herangehensweise verändert. Man traf sich wieder häufiger im Probestudio, um gemeinsam als Band an neuen Stücken zu arbeiten. Denn die Vorteile der Alleinarbeit sind gleichzeitig ihre Nachteile. Zwar hat der Produzent des Musikstücks die Möglichkeit, die Ideen so umzusetzen, wie er sich es vorgestellt hat. Dieser Vorteil wird gleichzeitig als Nachteil genannt, da man ja dadurch verhindert, dass ein Input von außen hinzukommt bzw. aus der Idee etwas Besseres entstehen kann, als man sich das alleine vorstellen hätte können. Dieses Potential wollte man ab der Produktionsphase für das „Rote Album“ wieder mehr nutzen. Gleichzeitig wollte man nicht gänzlich auf die eigene Autonomie verzichten, deshalb entwickelt ein jedes Bandmitglied weiterhin alleine Songideen. Das Optimum zwischen Allein- und Teamarbeit liegt laut Angaben der befragten Bandmitglieder irgendwo im Bereich dazwischen. 

„Der Vorteil ist, dass man bei Soloaktivitäten das genau so verwirklichen kann, wie man es sich vorstellt. Und der Nachteil ist halt natürlich, dass man weniger Input von außen hat, wobei es dann eben auch nie so wird, wie man sich das ursprünglich vorgestellt hat... Also das ist sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil. Ich glaube, wir wollen alle immer gerne einfach etwas machen und brauchen das aber auch, dass man halt so in diesem Bandgefüge ist, weil es kommen ja auch von anderen Ideen. Das ist ja auch total befruchtend für einen kreativen Prozess. Also nur das Eine ohne das Andere würde, glaube ich, niemandem so richtig taugen. Wenn wir dann viel zusammen waren, braucht jeder dann wieder etwas alleinige Kreativzeit für sich. Und umgekehrt dann auch. Also ich glaube, dass wir diese Prozesse [gut] abwechseln können.“  (Frisch/Holzgruber)

Regelung der nicht-musikalischen Angelegenheiten

Wenn eine funktionierende Band im metaphorischen Sinne mit einem guten Team vergleichbar ist, wie organisiert sich eine Musikgruppe dann in Bezug auf die nicht-musikalischen Kontexte? Um als Band erfolgreich agieren zu können, benötigt es die aktive Organisationsarbeit aller Mitglieder, insbesondere dann, wenn, wie bei den Sofa Surfers, kein zentrales Management vorhanden ist. Jedes Mitglied verbringt mindestens eine Stunde täglich mit organisatorischer Arbeit. Es gibt ein internes Agreement darüber, dass alle Mitglieder mindestens jeden zweiten Tag die Mails abrufen bzw. beantworten und alle Abwesenheiten der Mitglieder in einem Online- Bandkalender eingetragen werden. Das erleichtert beispielsweise die Geschwindigkeit von Entscheidungen, um Auftrittsanfragen rasch zu beantworten. Sämtliche Anfragen, auch die Interviewanfrage für diese Falldarstellung, werden „an alle“ weitergeleitet, damit der Kommunikationsfluss transparent nachvollziehbar ist. Dieses Vorgehen soll das Missverständnis-Risiko senken, komplett aus der Welt schaffen wird es sich freilich dennoch nicht ganz lassen. 

In der Band gibt es kein klassisches Management: Früher wurden viele Aufgabenbereiche von Kleinrecords abgedeckt, heute kooperiert man mit der Booking Agentur Miooow und der Promotion Agentur Monkeymusic. Walter Gröbchen, der Förderer der ersten Stunde, berät die Band in strategischen Fragen. Vertrauen spielt eine sehr wichtige Rolle, nach negativen Erfahrungen ist man vorsichtiger geworden und überlegt genau, ob es jemanden gibt, der mehr Kontakte als die Band hat – und darüber hinausgehend verlässlich ist. Erst dadurch würde es sich lohnen, dass z.B. 20% der Einnahmen als Honorar an ein bandexternes Management abgetreten werden. 

Da die Band sich selbst organisiert, ist die Rollenaufteilung essentiell. Den Überblick über die Buchhaltung hat Michael Holzgruber, er achtet auf das Finanzielle und fühlt sich für die Anfragen der Bookingagentur verantwortlich. Wolfgang Schlögl verfügt über die meisten Kontakte nach außen, er ist demnach der Netzwerker der Band und kann am besten Kooperationen zu Außenstehenden einfädeln. Anfragen bezüglich Sublizensierungen, Filmmusik oder Computerspiele wiederum werden von Wolfgang Frisch und Markus Kienzl beantwortet. 

Über diese (und weitere) Rollenaufteilungen haben sich im Laufe der Zeit gewisse Handlungsroutinen eingespielt. Die Bookingagentur kontaktiert Holzgruber, ob die Band an jenem Ort zu diesem Datum und mit einer bestimmten Gage spielen will bzw. kann. Holzgruber trägt die Anfrage an die Kollegen weiter bzw. entscheidet selbst, ob ein bestimmter Auftritt machbar ist oder nicht. Inzwischen werden natürlich nicht mehr alle Bandmitglieder gefragt, ob man z.B. im burgenländischen Podersdorf eine Auftrittsgelegenheit um 500€ annimmt; solche Entscheidungen werden automatisch getroffen (und zumeist abgelehnt). Aber Geld ist nicht der einzige Parameter, der darüber entscheidet, ob ein Auftritt interessant ist oder nicht. Eine mangelnde Gage kann ja auch durch das hohe Prestige eines Auftritts kompensiert werden. Ganz nach dem Motto: „Berlin ist arm, aber sexy“ ist man daher eher bereit, in angesagten Clubs der deutschen Bundeshauptstadt um weniger Gage zu spielen, als mäßig dotierte Auftritte beispielsweise in Dornbirn. Prestigeträchtige Clubauftritte haben einen hohen Werbeeffekt, meist folgen im Anschluss medial verbreitete Konzertberichterstattungen etc. Auftritte in der „Provinz“ werden dagegen nur dann gespielt, wenn sie ausreichend dotiert sind. Noch dazu gilt es zu berücksichtigen, dass der Sänger der Sofa Surfers in Stuttgart lebt, hier müssten auch diverse logistische Probleme gelöst werden. 

Die Abrechnung der Tantiemen ist für manche Bands eine besondere Herausforderung. Jeder Urheber, dessen Werk im Radio, im Fernsehen oder auf einer Bühne gespielt wird, erhält je nach Reichweite, Aufführungsort und Eintrittsgeld einen Betrag von Veranstaltern bzw. Rundfunkanstalten. Dieser Betrag wird von der AKM eingehoben und an die Urheber ausbezahlt. (AKM steht für staatlich genehmigte Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverlage und ist die größte Urheberrechtsgesellschaft in Österreich.) Im Falle einer Band lassen sich die Urheberrechtsanteile einzelner Mitglieder an einem Musikstück nicht so leicht definieren. Soll eine Person als Urheber angeführt werden, wenn sie zum besagten Stück nichts beigesteuert hat? Diese Frage hat vermutlich schon viele Bands in ernsthafte Konflikte geführt. 

Die Sofa Surfers haben das Problem so gelöst, dass alle Song-Rechte zu gleichen Anteilen an alle Mitglieder aufgeteilt werden. Diese simple Lösung verhindert mitunter Interessenkonflikte, welcher Song für Sublizensierungen freigegeben werden soll oder welche Songs vermehrt im Radio gespielt werden. Diese Regelung schafft eine Form der Interessen-Regulierung, ohne dass einzelne Mitglieder aufgrund des Geldes verstärktes Lobbying für ihre eigenen Songs betreiben müssten. Da alle Bandmitglieder aktive Songwriter sind, gleicht sich dieses System bei den Sofa Surfers auch aus. 

Kann man als österreichische Band von Musik leben?

Die wirtschaftliche Lage in der Musikindustrie ist bekanntlich alles andere als rosig. In den letzten zehn Jahren ist der Umsatz im Tonträgerbereich aufgrund der technologischen Entwicklung eingebrochen, Gewinne lassen sich in der Regel fast nur mehr über Live-Shows erzielen. Aber auch hier klagen Bands darüber, dass Eventveranstalter immer weniger Risiko eingehen wollen, zudem fallen Sponsoren für diverse Events insbesondere in Zeiten der Wirtschaftskrise aus. Die Organisation von Tourneen wird zunehmend schwieriger. Diese ungünstigen Rahmenbedingungen in der Musikbranche treffen auch die Sofa Surfers. Der Hype rund um die „Wiener Electronic“, der die Band vor allem in der Anfangsphase mitgetragen hat, ist längst vorüber. 

2005 erfolgte die musikalische Neuorientierung. Nachdem man sich von Kleinrecords getrennt hatte, gründete man für das anstehende Album ein eigenes Label und organisierte einen passenden Vertriebspartner. Die strukturelle Veränderung erleichterte die Situation nicht unbedingt, dennoch blicken die Sofa Surfers zuversichtlich in die Zukunft, zumal die Verkaufszahlen des neuen Albums „Blindside“ aus dem Jahr 2010 überraschenderweise deutlich höher ausgefallen sind als ursprünglich erwartet. Weitere wichtige Einnahmen erfolgen über die Tantiemen-Abrechnung der AKM, Filmmusik-Aufträge und Lizensierungen existierender Stücke für Computer- bzw. Videospiele. Förderungen durch den Österreichischen Musikfonds und der SKE (Fördereinrichtung für Musikschaffende) erleichtern die Finanzierung der Tonträger. Ohne die Förderung des Musikfonds hätte die Band das letzte Album bei weitem nicht in dieser Qualität produzieren können. Dennoch ist zu erwähnen, dass nicht nur die Albumproduktion, sondern auch die Promotionsarbeit sehr kostenintensiv ist, auch hier wären diverse Förderstrukturen wünschenswert.

Trotz all dieser Veränderungen konnten die Mitglieder der Sofa Surfers in den letzten zehn Jahren von den Einnahmen der Band stets knapp, aber dennoch leben. Dazu kommt, dass einerseits alle Bandmitglieder neben den Sofa Surfers auch mit ihren eigenen musikalischen Neben-Projekten aktiv sind (am erfolgreichsten ist hier Wolfgang Schlögel, der mittlerweile auch als I-Wolf international bekannt ist). Außerdem sichern nicht-musikalische Nebenerwerbstätigkeiten die ökonomische Situation ab, beispielsweise betreibt Michael Holzgruber auch ein Grafikbüro.

Die Mitglieder der Sofa Surfers sind mittlerweile im Alter zwischen 35 und 40 Jahren, zum Teil verheiratet und Väter. So wie für den Protagonisten im Film „Mein halbes Leben“ von Marko Doringer stellt sich für viele Kreative die Frage, ob sich der Wunsch nach kreativer Arbeit bzw. Selbstverwirklichung mit dem Wunsch nach Familie und Kindern vereinbaren lässt. Konfrontiert mit der Thematik des erwähnten Films, waren die befragten Mitglieder der Sofa Surfers der Meinung, dass sich dieser Widerspruch geradezu aufgehoben habe, da in ihrem Fall die kreative Arbeit seit dem Hinzukommen von familiären Veränderungen effizienter und besser organisiert werde. Durch die familiäre Verantwortung „verplempere“ man weniger Zeit mit unproduktiven Blödeleien und widme sich demgegenüber konzentrierter den unterschiedlichen Tätigkeiten. Der vermeintliche Widerspruch zwischen kreativer Verwirklichung und Familie führte demzufolge zu mehr Selbstdisziplin und Effizienz. 

Fazit

Wie die Falldarstellung Sofa Surfers zeigt, ist es auch für eine österreichische Band der Independent-Szene möglich, Musik als Haupteinkommensquelle zu betreiben. Die beiden Gesprächspartner raten jedoch davon ab, den Brotjob oder die Ausbildung für die Musik aufzugeben. Das Risiko sei sehr groß, die Wahrscheinlichkeit eines „nachhaltigen“ Erfolgs dagegen sehr gering. In ihrem Fall war es – zusätzlich zur Begeisterung für Musik und dem Willen, davon leben zu wollen – wichtig, die richtigen Personen zu kennen und die richtige Musik zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu machen. In weiterer Folge waren vor allem gute bandinterne Kommunikationsstrukturen für den längerfristigen Erfolg bedeutsam. Allerdings bedauert man es im Nachhinein, nicht gleich zu Beginn der Karriere ausreichend gute und schriftlich abgesicherte Verträge ausgehandelt zu haben – dies hätte vor allerhand Schwierigkeiten bewahrt.

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