one room, architektur _ workshop, Salzburg

Webseite(n):
www.oneroom.at
Ansprechperson:
Karl Meinhart, Georg Huber
Beteiligt:
2 Partner plus fallweise MitarbeiterInnen
Typus:
Unternehmen
Branche:
Architektur
Rechtsform:
Sonstige
Ort:
5020 Salzburg
Recherche:
2009
Durchführung:
Günther Marchner

Architektenduo

„one room“ ist die Kooperation der beiden selbständigen Architekten und staatlich geprüften und beeideten Ziviltechniker Karl Meinhart und Georg Huber. Das Atelier von „one room“ befindet sich im Salzburger Künstlerhaus, einem Ausstellungs- und Atelierhaus für zeitgenössische Kunst. Die Ateliers werden via Jury an bildende Künstler bzw. an mit Architektur und Gestaltung verbundenen Professionen vergeben.

Seit 1997 bearbeiten Huber und Meinhart unter dem Namen „one room“ in ihrem Atelier Wettbewerbe zu urbanistisch-städtebaulichen, architektonischen und landschaftsplanerischen Themen. Für ihre Zusammenarbeit beschränken sich die beiden auf die Mindestform einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Die Arbeit an ihren Projekten teilen sie 50:50. 

Die beiden Architekten verstehen „one room“ nicht als Architekturbüro, sondern vielmehr als „Atelier“. Die Zusammenarbeit der beiden selbständigen Architekten bildet die Grundstruktur für ein ausschließlich projektbezogenes Arbeiten. Je nach Projekt werden externe KooperationspartnerInnen einbezogen bzw. auch MitarbeiterInnen engagiert. Teilweise arbeitet das Duo auch mit KünstlerInnen wie zum Beispiel Christine und Irene Hohenbüchler oder Heimo Zobernig zusammen.

Das Atelier von „one room“ ist zwar in Salzburg angesiedelt. Allerdings werden die Projekte nicht durchwegs in Salzburg, sondern österreichweit und international bearbeitet. Ebenso stammt die Mehrzahl der KooperationspartnerInnen aus verschiedenen österreichischen Städten und aus dem europäischen/internationalen Raum.

Entstehungsgeschichte und Entwicklungsphasen

Beide Architekten waren ursprünglich nicht in Salzburg tätig. Georg Huber stammt zwar aus Salzburg, hat jedoch in Graz Architektur studiert und dort mehrere Jahre als Architekt gearbeitet. Karl Meinhart stammt aus Wien und war dort ebenfalls bereits als Architekt tätig. Bevor beide nach Salzburg übersiedelten, haben sie jeweils eigene Erfahrungen als selbständige Architekten bzw. mit Kooperationen gesammelt. Beim Versuch, in Salzburg Fuß zu fassen und beim „Eintauchen“ in die lokale Szene haben sie einander kennengelernt und beschlossen daraufhin, zusammenzuarbeiten.

„Wir sind von außen hergekommen. Ich war 12, 13 Jahre in Graz und haben geschaut: Mit wem kann ich überhaupt reden?“ (Georg Huber)

„Georg gewann gerade einen Preis zu einem Projekt am Lendkai in Graz mit einem anderen Kooperationspartner. Ich sah, dass er dieselbe Haltung zu Architektur hat wie ich. […] Wir engagierten uns in einer Architektur-Initiative, beschlossen gemeinsam zu arbeiten und mieteten hier ein Atelier… Es waren nicht primär Kostengründe. Es ging um inhaltliche Verdichtungsmöglichkeiten. Man muss sagen: Salzburg ist eine Kleinstadt mit kleinbürgerlichem Akzent“. (Karl Meinhart)

Die Zusammenarbeit in einem Atelier und in gemeinsamen Projekten begründen beide Architekten inhaltlich folgendermaßen:

„Wir glauben, städtebauliche Planung ist sehr prozessorientiert. Da braucht es viele Stärken und unterschiedliches Hintergrundwissen. Wir wissen, dass dies nur im Team Sinn macht. Es gibt in diesem Bereich zunehmend mehr Teams, weil die Aufgabenstellungen sehr komplex sind und es für ihre Bewältigung viele Erfahrungen und Charaktere in ihrer Unterschiedlichkeit braucht. Denn erst so entsteht ein Diskurs und entwickelt sich eine inhaltliche Spannung“. (Georg Huber)

„One Room“ entstand in einer Aufbruchsphase der Salzburger Architekturszene und mit der Verankerung in der damals entstandenen „Initiative Architektur“. Dem Duo gelang es, jährlich einen Wettbewerb zu gewinnen. Zum Teil wurden größere Projekte abgewickelt, wobei das Atelier auch personell eine Ausweitung fand. Parallel zur Bearbeitung von Wettbewerben engagierten sich die beiden Architekten ehrenamtlich im Rahmen der Initiative Architektur, der Salzburger Architektenkammer sowie im Landesarchitekturbeirat.

„Nun gibt es aber eine Phase der Erneuerung: Wie geht es weiter? Nun denke ich mir: Es braucht wieder einmal eine Phase der größeren Freiheit und des `Dinge neu ausprobieren`. Ich habe wieder zu malen begonnen. Es geht nun darum, einen Bereich zu schaffen, aus dem wir Neues schöpfen können.“ (Karl Meinhart)

Für die Zukunft sieht das Duo jedoch „one room“ in der bisherigen Form als bewährte Struktur, um Kooperation zu kultivieren und Projekte umzusetzen.

„Das, was wir inzwischen miteinander an Wissen und an Netzwerken verfügen, ist sehr viel. Manchmal sehen wir das gar nicht mehr“. (beide)

Der Name „one room“ ist erstmals in einem von der ETH Zürich publizierten Buch erschienen. „One room“ hat, so Georg Huber, viel mit der „One Earth“-Thematik zu tun. 

„Wir leben auf EINER Welt und haben nur EINEN Raum. Was wir als Architekten tun, damit geht auch eine gewisse Verantwortung einher. Uns geht es um one room = one world, um Nachhaltigkeit in vielen Dingen“. (Georg Huber)

„One room“ steht also für eine gesellschaftspolitische Perspektive und Programmatik, die in den Projekten ihren Ausdruck und „Mehrwert“ finden soll. Ein besonderer Fokus der Projekte liegt auf dem öffentlichen Raum und auf öffentlicher Nutzung, wie zum Beispiel im Bereich Schulen oder Kindergärten.

„Dabei achten wir auf die Interpretation von gesellschaftlichen Aufgabenstellungen wie zum Beispiel die Funktion von Schulen. Da versuchen wir, auf der Höhe der Zeit städtebauliche Antworten zu finden“. (Karl Meinhart)

Ein Beispiel dafür bildet die Revitalisierung einer Schule aus den 1970er Jahren. 

„Diese Epoche wollten wir nicht unkenntlich machen, da sie auch Ausdruck des politisch-pädagogischen Aufbruchs der damaligen Zeit war. Das wollten wir mit unserer Gestaltung im Bewusstsein halten.“ (Karl Meinhart)

Schwerpunkte, Stationen

Huber und Meinhart begannen ihre gemeinsame Arbeit mit der Beteiligung an einer Projektarbeit der ETH Zürich, und zwar zum Städtebau im Salzburger Stadtteil Taxham anlässlich der ersten Olympiabewerbung Salzburgs. Beide waren auch Mitglieder einer Arbeitsgruppe zum Projekt „public space“ in Salzburg Lehen von Luc Deleu (Antwerpen).

Als entscheidend erlebten sie einen ersten Preis beim städtebaulichen Ideenwettbewerb für die Kulturhauptstadt Thessaloniki, für die Aufgabe „new collective spaces in a contemporary city“. Als die einzigen ausgewählten deutschsprachigen Architekten unter über 200 BewerberInnen aus 23 Ländern machten sie Workshops zum öffentlichen Raum, ein Projekt, welches ihnen eine intensive Beteiligung am europäischen Diskurs über Urban Design ermöglichte.

In Salzburg folgten gewonnene Wettbewerbe zum Bau des Polizeisportvereines, eines Kindergartens sowie zur Sanierung und Neugestaltung einer Handelsakademie. Ende 2009 startete die Umsetzung eines gewonnenen Projekts zur Gestaltung eines Kinderhauses an der Universität Konstanz.

Zu erwähnen ist, dass sich „one room“ ausschließlich auf öffentliche Ausschreibungen und Wettbewerbe konzentriert.

„Wir haben keine privaten Auftraggeber, weil uns die entsprechenden Netzwerke fehlen. Deshalb bewerben wir uns an öffentlichen Wettbewerben, ein Bereich, in dem wir hineingewachsen sind…“. (Karl Meinhart)

Über die Wettbewerbe hinaus beteiligte sich one room an Ausstellungen und Katalogen wie zum Beispiel im MUMOK oder an der Ausstellung und Publikation „Emerging Architecture“ des Architekturzentrums Wien.

Als besondere Erfahrung erachten Meinhart und Huber die Neugestaltung der Hofstallgasse als öffentlichen Raum vor dem Festspielhaus und als eine zentrale Achse des Festspielbezirks. Die Reaktionen auf die Gestaltung der Hofstallgasse mit goldenem Asphalt ähnelten den meisten typischen Reaktionsmustern, d.h. sie erregten Debatten, die bei der Gestaltung öffentlicher Räume in der Salzburger Altstadt regelmäßig stattfinden.

„Wir wussten schon in der Anfangsphase: Da krachen die Gegensätze aufeinander und wir werden die Deppen dazwischen sein. Da verreibt man sich, das haben wir gelernt“. (Karl Meinart)

Erfahrungen mit projektbezogenem Arbeiten in Netzwerken und Kooperationen

Das Architektenduo von „one room“ arbeitet projektbezogen mit externen PartnerInnen aus den Bereichen Architektur, Freiraumplanung und Bildender Kunst zusammen. Dabei agiert „one room“ im Rahmen eines Partner-Netzwerks aus anderen österreichischen Städten sowie aus dem internationalen Raum. Beide bringen jeweils ihre Kontakte ein.

„Die Teilnahme an Wettbewerben ist eine sehr freie Arbeit, die sich nicht auf Salzburg beschränkt, sondern in Graz, Linz, Wien oder im Ausland stattfindet. Unsere Verbindungen haben wir eher anderswohin als in Salzburg. Früher hatten wir viel miteinander vor Ort gemacht, dann kamen wir regional in eine Konkurrenzsituation… Wir sind ja hier kein `Salzburger`Atelier, das kann ja auch einmal in Graz oder in Wien sein. […] Aber auf Freunde und Netzwerke legen wir schon sehr großen Wert“. (Georg Huber)

Da der Kern von „one room“ in der Bearbeitung von Wettbewerbsprojekten besteht, verstehen sich Meinhart und Huber als „Atelier“, aber nicht als Architekturbüro – mit einem festen Stamm an MitarbeiterInnen. Die Mitarbeit von anderen erfolgt jeweils projektbezogen und flexibel. Derzeit gibt es keine zusätzlichen Anstellungen, obwohl dies projektbezogen sehr wohl schon der Fall war. In diesem Zusammenhang setzen die beiden generell auf ihre Netzwerke, mit denen sie verbunden sind.

„Wir arbeiten projektbezogen und haben MitarbeiterInnen, die das selbst auch so machen. Zusammenarbeit erfolgt auf freiwilliger Basis…“

Insofern geht es nicht darum, die vorhandene Organisationsstruktur zu vergrößern und damit in Sachzwänge hinein zu geraten. Denn ab einer bestimmten Größenordnung müssen Strukturen bedient werden. Freiheiten gehen verloren. Aber bei Bedarf werden auch große Projekte abgewickelt und temporär Strukturen vergrößert.

„Das Füttern eines Apparates mit Aufträgen bringt einen schon von der Arbeit weg – da ist man nur noch in der Akquise“. (Karl Meinhart)

Erfolgsfaktoren für interne und externe Zusammenarbeit

Georg Huber und Karl Meinhart nennen mehrere Gründe für das Gelingen ihrer bisherigen Kooperation: Dazu zählt zunächst Grundvertrauen zueinander. Es sei jedoch wichtig, „dass man als Person autark bleiben kann“. Ebenso sei gemeinsamer Erfolg wichtig, „vor allem auch in diesem Sinne, dass wir inhaltlich etwas bewegt haben, auch wenn manche Projekte nicht erfolgreich waren“. Wichtig sei aber vor allem wechselseitige Toleranz.

„Man muss auch man selbst bleiben können, damit man etwas gemeinsam tun kann. Wir müssen unser jeweiliges persönliches Profil quasi gegeneinander aufrechterhalten und uns nicht angleichen und abschleifen, damit unser Diskurs überhaupt funktioniert. Und wir müssen uns die Freiheiten zugestehen und auch erkämpfen, anders zu denken als der andere erwartet und uns als eigene Persönlichkeiten mit eigenen Bedürfnissen respektieren.“ (Karl Meinhart) 

Bei der Zusammenarbeit mit Externen geht es Meinhart und Huber zufolge vor allem darum, potenzielle PartnerInnen besser kennenzulernen, eventuell durch eine gemeinsame Bewerbung. 

„Es menschelt sowieso. Entweder man kommt zurecht oder nicht“.

Als Generalplaner sind sie bei externen Partnern selbstverständlich darauf angewiesen, dass diese verlässlich und leistungsfähig sind.

„Wir suchen uns die Partner aus. Das ist uns wichtig. Wir schauen, dass die Chemie stimmt und achten weniger auf den Preis. Dabei werden Partner nicht danach ausgesucht, ob sie vor Ort verfügbar sind, sondern ob sie mit ihren Qualitäten ein Projekt entsprechend unterstützen können“ (Karl Meinhart)

Und noch einen Hinweis geben sie jenen mit auf den Weg, die sich für den Architekturberuf intressieren: Qualitätsvolle Planung könne de facto nicht delegiert werden:

„Es ist wichtig, die Arbeit selber vor Ort zu machen. Qualitätsvolle Planung ist ein aufwendiger Wahrnehmungs-, Beobachtungs- und Kommunikationsprozess. Das kann man nur selber machen und nicht billig delegieren“. (Georg Huber)

Quellen

Interview mit Georg Huber und Karl Meinhart vom 30. November 2009

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