Barabas Grafik & Beschriftungen GmbH, Oberwart

Webseite(n):
www.barabas.at
Ansprechperson:
Thomas Barabas
Beteiligt:
ca. 10 Mitarbeiter
Typus:
Unternehmen
Branche:
Werbung / PR / Kommunikation , Grafik- & Webdesign
Rechtsform:
GesmbH
Ort:
Oberwart / Bgld.
Recherche:
2009
Durchführung:
Alfons Bauernfeind / Hubert Eichmann

Kreativunternehmer „in der Provinz“

Thomas Barabas ist Unternehmer und alleiniger Gesellschafter eines 13-köpfigen Grafikdesign- und Druckereibetriebs. Vor 20 Jahren hat er sein Unternehmen gegründet und dann kontinuierlich vergrößert. Thomas Barabas kann in der ostösterreichischen Kreativbranche als Ausnahmeerscheinung bezeichnet werden, da er ohne akademischen Abschluss und vor allem ohne Einzugsgebiet einer größeren Stadt ein Kreativunternehmen im burgenländischen Oberwart aufgebaut hat. Ein Unterschied zu vielen städtischen Werbegrafikern liegt im pragmatischeren bzw. auch handwerklichen Zugang. 

Das soziale Umfeld hat seinen Werdegang von Anfang an bis heute wesentlich mit beeinflusst, z.B. dürfte ein Erfolgsfaktor in seiner langjährigen Tätigkeit als Musiker liegen, wodurch er in der Region eine Bekanntheit erlangt und ein Netzwerk aufgebaut hat, das er heute als Unternehmer dementsprechend „bespielen“ kann. Mit 15 Jahren spielte Thomas gemeinsam mit zwei Freunden in einer Band, deren Mutter eine Druckerei besaß. Die Bandkollegen mussten z.B. vor der Probe im Familienunternehmen mitarbeiten. Damit sie schneller zum Proben kommen konnten, half Thomas immer wieder mit – und hatte dabei ein prägendes Schlüsselerlebnis: 

„Ich bin da rein gegangen, habe gesehen, was da passiert und habe einfach gewusst, ich will dort arbeiten. Ich habe der Mutter der beiden Freunde verklickert, dass ich mit der Schule fertig werde bzw. aufhören werde, und fix bei ihr als Lehrling arbeiten möchte, und sie hat das auch ermöglicht“. 

In der Druckerei lernte der heute 44-Jährige die Basics der alten Druck-Technologie „a la Gutenberg“, verfolgte den technischen Wandel hin zum „Fotosatz“ und dann zum „Desktop Publishing“ mit. Der von seiner beruflichen Tätigkeit Begeisterte beschloss mit 24 Jahren, sein eigenes Unternehmen zu gründen. Nachdem er gekündigt hatte, gönnte er sich davor noch eine Auszeit, um in die Vereinigten Staaten zu reisen. Er vermutete, dass er zum letzten Mal in den nächsten Jahrzehnten sechs Wochen am Stück Urlaub machen konnte, weshalb er diese Auszeit als eine Mischung aus Abenteuer und Vorbereitung auf seine zukünftige Selbständigkeit anlegte: 

„Ich habe mir ein Buch über die Software gekauft, von der ich wusste, dass ich mit der arbeiten werde; habe mich auf einen Wolkenkratzer geschmissen und mir das Buch staubtrocken, ohne Atari, reingezogen.“

Als Thomas Barabas nach dem USA-Trip zurück ins Burgenland kam, mietete er sich um 500 Schilling monatlich im Büro eines Freundes ein, der ebenfalls selbständig in der Kreativbranche tätig war, und besetzte dort einen Schreibtisch. Unter anderem aufgrund des Auslandsaufenthaltes waren keinerlei ökonomische Ressourcen vorhanden, deshalb finanzierte er via Kredit seine erste Computeranlage mit Drucker und Scanner. Des Weiteren arbeitete auch ein befreundeter Filmproduzent in diesem Büro, somit kam es immer wieder zu synergetischen Kooperationen und zum freundschaftlichen Austausch. 

Wettbewerbsvorteil durch ein lukratives Hobby

Zur selben Zeit begannen die Probeaktivitäten seiner neuen Band, der später nicht nur im Burgenland bekannten „Kixx“, wo er Schlagzeuger war. Das Konzept der Band bestand darin, abendfüllende Unterhaltung (also 6 bis 8 Stunden Abendprogramm) mit gecoverten Rocksongs zu bieten. Das Konzept ging voll und ganz auf. Die Band spielte in der Region ca. 40-mal im Jahr, und zog pro Auftritt zwischen 500 und 3000 Personen an. Zum zweiten Mal in seinem Leben beeinflusste sein Hobby den Karriereverlauf entscheidend: 

„Ich habe in der Zeit der Firma kein Geld entnehmen müssen, ich habe eigentlich fast ausschließlich von dem leben können, was bei der Musik rein gekommen ist. Das war ein großer Vorteil, weil ich da immer die Möglichkeit hatte zu investieren. Ich konnte das Geld in der Firma drinnen lassen und mir immer wieder neue Geräte kaufen; ... ich konnte von etwas anderem leben, von meinem Hobby. In Kombi mit 70 Stunden Arbeit hast du auch kaum eine Möglichkeit, das Geld auszugeben (lachen).“

Diese Investitionen brachten dem Werbegrafiker entscheidende Wettbewerbsvorteile: Er konnte Anschaffungen tätigen, die kein Werbegrafiker zwischen Wien und Graz im Angebot hatte. Damit gewann er einen großen Kundenstock und hat seither abseits der Hauptstädte Graz und Wien – im Einzugsgebiet Burgenland, Oststeiermark und südöstliches Niederösterreich – eine Marktlücke erschlossen. 

„Wir haben gegenüber vielen anderen Kreativen den Vorteil, eben nicht nur Logoentwurf, Drucksorten etc. abwickeln zu können, sondern auch die Produktion der Beschriftungen im Haus zu machen. Und es braucht ja so gut wie jede Firma  gedruckte Tafeln, Werbetafeln, Autobeschriftungen, Leuchtkästen, Transparente, Messestandbeschriftungen – die komplette Palette, und wir produzieren das im Haus“.

Dieser Wettbewerbsvorteil machte viele vermeintliche Konkurrenten zu seinen Kunden, da in der Region fast sämtliche Werbegrafiker seine Angebote in Anspruch nehmen. 

Die Bandaktivität brachte dem Werbegrafiker nicht nur finanzielle Vorteile, sondern auch werbewirksame Bekanntheit für sein Unternehmen. Einerseits übernahm er natürlich den Plakatdruck der Band, platzierte an allen Plakaten seinen Slogan und wurde so zu einer regionalen Bekanntheit. Man wusste, dass er nicht nur der Schlagzeuger der Band, sondern auch der Grafiker war. Somit war er auch bei Konzerten Ansprechpartner für potentielle Kunden, was ökonomisch sehr praktisch war, manchmal aber auch nervte. Thomas Barabas duzt jedenfalls ca. 95% seiner Kunden, da die meisten aus seinem erweiterten Bekanntenkreis stammen. Nach sechs Jahren, Mitte der 1990er Jahre, beendete er seine Aktivität bei der Band, da in der Zwischenzeit das Unternehmen rasant gewachsen war (ein bis zwei neue Mitarbeiter pro Jahr) und der private Aspekt eindeutig zu kurz kam.

Erfolgsfaktoren: Begeisterung, Verlässlichkeit und Konsequenz

Als wichtigsten Erfolgsfaktor bezeichnet Barabas die „intrinsische“ Begeisterung für die Tätigkeit. Weniger ökonomische Parameter, sondern vielmehr die Freude an der Arbeit und die konsequente Abwicklung von Aufträgen macht er für seinen Erfolg verantwortlich.

„Die Motivation war eigentlich, dass mich die Tätigkeit irrsinnig begeistert hat. Finanzielle Überlegungen, mit dem viel Kohle zu machen, habe ich überhaupt nicht gehabt. Und das ist auch relativ wichtig, denke ich. Ich erlebe das immer wieder, dass Menschen hier reinkommen und was weiß ich für Geschäftsideen haben. Wenn ich mir das anschaue, hinter den Kulissen, sind die immer auf der Suche nach dem großen Geld. Ich glaube eher, dass das Spiel umgekehrt läuft, dass man eher etwas machen soll, was einen wirklich fasziniert, nicht loslässt. Und das wird dann, wenn man es mehr oder weniger gut macht, wahrscheinlich eh von alleine erfolgreich.“

I: Ums Machen geht es ja letztendlich auch.

„Ja, und was natürlich als nächstes ist, dass man – leider gerade als Unternehmer – eine gewisse Konsequenz an den Tag oder in meinem Fall auch an die Nacht legen muss. Weil es gibt zwei Arten von Leuten: Die einen reden über die Arbeit und die anderen machen sie. Wie oft war es draußen schön und ich hätte mich auch lieber irgendwo ins Wasser geschmissen, und ich bin daheim gehangen, weil ich es dem Kunden versprochen habe. Und wenn ich was verspreche, dann mache ich das auch. Das ist umgekehrt eines der Dinge, die mich am meisten rasend machen: Wenn ich was bestelle oder mit Firmen kooperiere und die kommen dann nicht daher. Damit kann man mich speziell auf die Palme bringen. Das versuche ich eben wirklich konsequent durchzuziehen: Wenn was ausgemacht ist, dann wird das gemacht. Da interessiert es den Kunden nicht, ob es hell oder dunkel dabei war; der will das haben, der hat das bestellt; der soll das kriegen. … Verlässlichkeit ist extrem wichtig, und das hat mir schon viele Kunden gebracht; und das hat mir sicher auch schon ganz viele Stammkunden gehalten. Ich habe das nicht einmal mitgekriegt, dass Leute zu uns gekommen sind, die vorher irgendwo waren. ‚Das war schrecklich, das hat nie funktioniert, die haben uns immer hängen gelassen mit dem Liefertermin‘ und so weiter, solche Sätze sind mir oft begegnet. Und so gesehen ist es relativ einfach zu sehen, wie man es machen muss. Wenn die Qualität der Arbeit stimmt und die Termintreue funktioniert, dann hat man schon fast alles gemacht, was sich ein Kunde erwartet.“

Auf Konsequenz und Verlässlichkeit folgt die Weiterempfehlung

Durch Motivation und Zuverlässigkeit können Stammkunden gehalten und neue Kunden angeworben werden. Gerade zu Beginn seiner Unternehmertätigkeit war die Weiterempfehlung der Hauptmotor für das Wachstum. Thomas Barabas hatte lange Zeit hauptsächlich regionale Kunden aus Oberwart und angrenzenden Bezirken. Ein langjähriger Freund brachte einen entscheidenden Wendepunkt und erweiterte seinen Kundenstock. Der Freund arbeitete in einem großen Wiener Textilunternehmen als Dekorateur und benötigte für die Filialen immer wieder Folienbuchstaben für die Schaufenster. Inzwischen ist dieser Freund seit über 10 Jahren nicht nur sein größter Kunde, sondern auch sein wichtigster Vernetzungs-Knotenpunkt und Vermittler, denn durch die gemeinsamen Aufträge lernte Thomas Kooperationspartner jenseits des Burgenlandes kennen.

„Das hat sich dann immer mehr ausgeweitet … die haben eine neue Filiale eröffnet, da haben wir mit dem Architekten Kontakt gehabt, der hat natürlich andere Projekte auch betreut. Der hat uns dann immer wieder für Beschriftungen neuer Gebäude eingeladen … Der Architekt kennt wieder einen, hat dem von uns erzählt und mittlerweile ist es auch so, dass wir in Wien ziemlich viel unterwegs sind und einige größere Kunden haben.“

Das Schneeballsystem, also das Akquirieren neuer Kunden durch Weiterempfehlung aufgrund einer guten Leistung, funktioniert demnach auch wesentlich besser als die anonyme Vermittlung. Heute betreut der Werbegrafiker nicht nur Kunden in Österreich, sondern auch in Dubai, Italien und vielen weiteren Ländern. Diese Aufträge bekam der Thomas Barabas ausschließlich über persönliche Netzwerke. Vor der Zeit des Internet gab es Vermittlungsagenturen, die nach bezahltem Mitgliedsbeitrag für Unternehmen aktiv wurden bzw. werden sollten. Doch diese Art, Kunden zu akquirieren, hat er immer ausgeschlossen und demgegenüber lieber auf persönliche Bekannte vertraut. 

Zukunftsperspektiven

Auch wenn Thomas Barabas sehr zufrieden auf seine bisherige Unternehmer-Karriere zurück blickt, wünscht er sich manchmal mehr Ruhe und Zeit für die eigentliche kreative Arbeit. Durch die Größe seines Unternehmens beschäftigt er sich (zu) viel mit Verwaltung, Delegation und Mitarbeiterführung:

„Wenn es so weitergeht wie bisher, dann bin ich wirklich zufrieden. Was ich mir vorstellen könnte, dass ich mich von dem allen einmal trenne, wenn jemand kommt, der sich für viel Geld viel Arbeit kaufen will. Um dann wieder alleine zu arbeiten, wo ich wenige Kunden betreue, aber nach wie vor das mache, was ich jetzt mache, aber die Belastung durch administrative Dinge dann wegfällt. Ja, das könnte eine Alternative sein, aber das ist jetzt noch nicht spruchreif.“

Fazit

Begeisterung für die Arbeitsinhalte, Konsequenz, Verlässlichkeit, soziale Netzwerke und Weiterempfehlungen sind vermutlich die wichtigsten Faktoren für den Karriereverlauf des Grafikunternehmers Thomas Barabas. Der Erfolgsprozess seines Unternehmens wurde durch musikalische Aktivitäten in einer Rockband beschleunigt. Das lukrative Hobby machte ihn zu einer regionalen Bekanntheit sowie zum Ansprechpartner von potentiellen Kunden und verschaffte ihm die Möglichkeit, teure Investitionen zu tätigen, über die Mitbewerber in der Region nicht verfügten. Mithilfe der Investitionen erschloss er eine regionale Marktlücke – Konzeption und Produktion von Werbegrafik – die ihm wiederum neue Kunden brachte. Eine mögliche Kehrseite des unternehmerischen Erfolgs liegt (typischer Weise) darin, dass bei kaum weniger als 60 wöchentlichen Arbeitsstunden der private Aspekt unter dem hohen Zeiteinsatz etwas zu kurz kommen dürfte. 

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