b.a.s.e., Salzburg

Ansprechperson:
Angela Schoibl
Beteiligt:
13 Mitglieder
Typus:
Netzwerke
Branche:
Sonstiges , Coworking
Rechtsform:
Verein
Ort:
5020 Salzburg
Recherche:
2009
Durchführung:
Günther Marchner

Organisationsprinzipien im Büro für angewandte Sozialforschung & Entwicklung

b.a.s.e., gegründet 1997 und organisiert als Verein, ist ein Netzwerk von selbständigen ForscherInnen und BeraterInnen aus unterschiedlichen Disziplinen der angewandten Sozialwissenschaften. b.a.s.e. stellt seinen derzeit 13 Mitgliedern Büroarbeitsplätze sowie technisch-räumliche Infrastruktur an zwei Standorten in der Stadt Salzburg zur Verfügung. Die Trägerschaft und Umsetzung von Aufträgen und Projekten erfolgt jeweils durch die Mitglieder und ihre Unternehmen.

Mitglieder des Vereines b.a.s.e. sind (2009/2010): Birgit Buchinger, Michaela Erkl, Katharina Gimm, Karoline Gindl, Doris Gödl, Ulrich Hartmann, Günther Marchner, Erika Pircher, Alexander Prennin-ger, Angela Schoibl, Heinz Schoibl, Anna Stiftinger und Peter März. 
Die genannten Mitglieder sind entweder als EinzelunternehmerInnen bzw. im Rahmen von privatwirtschaftlichen Unternehmen oder gemeinnützigen Organisationen als Gesellschafter oder MitarbeiterInnen tätig: b.a.b. – Unternehmensberatung; Helix - Forschung & Beratung; Solution – Sozialforschung & Entwicklung; conSalis – Entwicklungsberatung; Boltzmann-Institut für Historische Sozialwissenschaften.
Internetauftritte der einzelnen Mitglieder:
http://www.solution.co.at
http://www.consalis.at
http://www.helixaustria.com
http://www.erkl-partner.com
http://www.bab.at
http://www.lbihs.at

In der Gesamtheit weist b.a.s.e. die folgende „Doppelstruktur“ auf:

a) Gemeinsame Aktivitäten und Leistungen des Vereines b.a.s.e.

b.a.s.e. stellt seinen Mitgliedern eine technisch-räumliche Infrastruktur zur Verfügung. Dazu zählen - abgesehen von den an Mitglieder vermieteten Büroräumlichkeiten - eine gemeinsame Bibliothek, ein Seminarraum, technische Ausstattungen wie zum Beispiel Kopierer, Beamer, Moderationstechnik oder Farblaserdrucker. Die beiden Büros dienen den Mitgliedern nicht nur als Arbeitsplätze, sondern auch als Treffpunkt und Kommunikationsraum. Sie bieten Möglichkeiten für Besprechungen, Workshops und Seminare mit KundInnen, AuftraggeberInnen oder PartnerInnen.

b.a.s.e. ist darüber hinaus Träger für gemeinsame Maßnahmen im Bereich der Qualitätssicherung, des inhaltlichen Austauschs, des Wissenstransfers sowie von strategischen Aktivitäten im Bereich der Forschungspolitik und der Vernetzung mit anderen Einrichtungen der außeruniversitären gesell-schaftsbezogenen Forschung. 

Die Büroinfrastruktur sowie Aktivitäten von b.a.s.e. werden durch Eigenmittel der Mitglieder sowie (bis 2010) ergänzend durch Subventionen des Wissenschaftsministeriums finanziert. Fördermittel werden ausschließlich für gemeinschaftlich genutzte Infrastruktur sowie für gemeinsame inhaltliche und strategische Aktivitäten verwendet. Für Qualitätssicherungsmaßnahmen standen in den letzten fünf Jahren Mittel aus der „Dynamischen Qualitätssicherung“ für außeruniversitäre gesellschaftsbezogene Forschung seitens des BMWF zur Verfügung.

Die Vereinsagenden von b.a.s.e. werden von den Mitgliedern gemeinsam getragen. Management und operative Umsetzung der Vereinsaufgaben obliegen einer gemeinsamen Geschäftsführung, die auch die Wahrnehmung von Aufgaben durch Vereinsmitglieder koordiniert. Eine gemeinsame Geschäfts-ordnung dient als formale Grundlage des Kooperationsmodells von b.a.s.e.

Abgesehen von gemeinsamen regelmäßigen Jour Fixes der Mitglieder zu allen Angelegenheiten des Bürobetriebs und gemeinsamen Aktivitäten steht für interne Kommunikation und Information ein webbasiertes Portal für Kalender, Dokumentenmanagement und Adressenverwaltung zur Verfügung. Öffentlichkeitsarbeit über b.a.s.e. und seine Mitglieder wird mittels Website und Newsletter wahrgenommen.

Strategische Entwicklung und inhaltlicher Austausch finden im Rahmen von „b.a.s.e.-Klausuren“ und „b.a.s.e.-talks“ statt.

b) Leistungen der Mitglieder als Einzelunternehmen bzw. als Mitarbeiter und Gesellschafter von in b.a.s.e. ansässigen Unternehmen

Aufträge und Projekte im Bereich der angewandten sozialwissenschaftlichen Forschung, Beratung und Bildung werden ausschließlich von den Mitgliedern und ihren Unternehmen getragen. Dazu zählt inzwischen ein breites Spektrum. Es reicht von der Grundlagenforschung, Anwendungsforschung, Evaluation und Fachberatung bis zu Coaching, Prozessberatung und Organisationsentwicklung sowie Weiterbildung und Training. Ein Teil der Mitglieder ist darüber hinaus im Rahmen der universitären Lehre engagiert. Dabei sind die Mitglieder in unterschiedlichen Themengebieten wie zum Beispiel Arbeitsmarkt, Genderfragen, Neue Technologien, Stadt- und Regionalentwicklung, Generationen & Demographie, Soziale Einrichtungen Gesundheit oder Geschichte engagiert. 

Zu den AuftraggeberInnen und Projektfinanciers zählen zum größeren Teil öffentliche Institutionen auf allen Ebenen (Bundesministerien, Gemeinden, Städte, Länder, Interessenvertretungen und Verbände oder sonstige öffentliche Einrichtungen) sowie Non-Profit-Organisationen. Darüber hinaus werden auch EU-finanzierte Projekte (Programme, Strukturfonds) umgesetzt. Ein kleinerer Teil an Aufträgen und Projekten wird auch in Form von Forschungs-, Entwicklungs- und Beratungsleistungen für Unternehmen und für mit Wirtschaftsförderung befasste Einrichtungen durchgeführt. 

Die in b.a.s.e. angesiedelten Mitglieder und Unternehmen kooperieren untereinander frei nach thematischen Schwerpunkten und Interessen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an KooperationspartnerInnen Österreichweit wie international.

Entwicklung und Veränderungen

b.a.s.e. wurde 1997 mit der Intention gegründet, den zukünftigen Mitgliedern eine gemeinsame Infrastruktur und einen gemeinsamen Kommunikationsraum zur Verfügung zu stellen – als Alternative zur isolierten „Wohnzimmerforschung“ oder zu teuren Einzelbüros.

Ein wichtiger Ausgangspunkt bei der Gründung von b.a.s.e. war eine Kerngruppe von Beteiligten, die bereits Kooperationserfahrungen aus einer anderen Institution (dem 1995 geschlossenen Institut für Alltagskultur) mitbrachte. Diese Erfahrungen führten aber auch dazu, dass sich die Gründungsmitglieder in Bezug auf gemeinsame Verantwortlichkeiten auf eine „Bürogemeinschaft“ beschränkten. Die Verantwortung für Aufträge und Projekte sollte von Beginn an bei den Mitgliedern selbst liegen. Mit der Gründung von b.a.s.e. entstand gleichzeitig eine „Doppelstruktur“: Denn parallel zur Gründung des Büros wurden von Mitgliedern auch Unternehmen für Forschung und Beratung als Basis für ihre selbständige Tätigkeit gegründet.

Im Verlauf der bisherigen Geschichte von b.a.s.e. ist es sowohl zu Veränderungen in der Zusammensetzung der Mitgliedschaft als auch zu einer personellen und räumlichen Ausweitung des Vereines gekommen. Einen wichtigen Meilenstein bildete dabei die Gründung eines zweiten Bürostandortes in der Paracelsusstrasse. 

Die Entwicklung von b.a.s.e. war insgesamt mit einer Ausweitung des Spektrums an Angeboten und Leistungen, aber letztlich auch mit einem Wandel des Selbstverständnisses seiner Mitglieder verbunden. Hatten sich die GründerInnen – als AbsolventInnen von der Universität kommend – zu Beginn ausschließlich in der Grundlagen- und Auftragsforschung engagiert, so erweiterte sich das Spektrum. Zunehmend sind Mitglieder von b.a.s.e. auch im Wissenstransfer, in der Anwendung von Wissen und der Gestaltung von damit verbundenen Prozessen (wie zum Beispiel Strategie- und Maßnahmenentwicklung, Organisationsentwicklung) engagiert.

Die zunehmende Anwendungsorientierung in unterschiedlicher Form – auch basierend auf dem Druck selbständiger Erwerbstätigkeit in Richtung von mehr Markt- und KundInnenorientierung – führte zur Ausweitung von methodischen Kompetenzen der Mitglieder wie zum Beispiel in den Bereichen Eva-luation, Organisationsentwicklung, Projektmanagement, Moderation, Erwachsenenbildung und Training. Dieses Spektrum zwischen Grundlagenforschung und Anwendung ist zu einem typischen Merkmal für den Bereich der außeruniversitären gesellschaftsbezogenen Forschung in ihrer Gesamtheit geworden. 

b.a.s.e. avancierte auch zum aktiven Mitglied im Sektor der außeruniversitären gesellschaftsbezogenen Forschung. Der Verein ist im Bereich forschungspolitischer Aktivitäten und in der Vernetzung mit anderen Einrichtungen engagiert.

Die Entwicklung von b.a.s.e. innerhalb der letzten fünf Jahre ist mit wichtigen Meilensteinen verbunden: Dazu zählt die Teilnahme am Programm der Dynamischen Qualitätssicherung des BMWF, welche dem Büro Maßnahmen zur Entwicklung der strukturellen wie fachlichen Qualität für die Mitglieder ermöglichte. Mit der Zunahme an gemeinsamen Aktivitäten und der Ausweitung des gemeinsamen Budgets wurde als wichtiger Professionalisierungsschritt auch eine Geschäftsführung installiert.

Erfolgsfaktoren und Voraussetzungen für Kooperation

Den Mitgliedern von b.a.s.e. ist es im bisher 12jährigen Bestehen gelungen, eine gemeinsame Infrastruktur zu finanzieren, gemeinschaftlich zu nutzen und weiter zu entwickeln. Aus den bisherigen Ko-operationserfahrungen können einige Voraussetzungen und „Erfolgsfaktoren“ genannt werden, welche für die Stabilität einen wichtigen Beitrag leisten:

• Abgesehen von gemeinsamen Grundhaltungen, Interessen und der inhaltlichen Kooperation zählen dazu einerseits die gleichwertige Mitverantwortung und Verbindlichkeit der beteiligten Mitglieder in Bezug auf die Erfüllung gemeinsamer Aufgaben. Andererseits braucht es dafür klare wie transparente Spielregeln und Vereinbarungen, wie im Falle von b.a.s.e. beruhend auf Jour Fixes (Pro-tokollen) und einer Geschäftsordnung. Nur so entsteht auch jene Vertrauens- und Motivationsba-sis, die auch die Trägfähigkeit eines freiwilligen Kooperationsmodells begründet.

• Die erfolgreiche „Rekrutierung“ neuer Mitglieder beruht darauf, dass im Hinblick auf Grundhal-tungen und Interessen die „richtigen“ Leute zusammenkommen – auch im Hinblick auf die Mit-verantwortung für die Alltagsgestaltung des gemeinsamen Büros.

• Als wichtiger Faktor ist die Stabilität der Mitglieder im Hinblick auf ihre Fähigkeit zu nennen, kontinuierlich Projekte und Aufträge lukrieren zu können. Damit verbunden ist auch das „Prinzip der Gegenseitigkeit“ in Bezug auf Verantwortung, Arbeitsteilung und Akquise, als Grundlage für stabile Projektkooperationen unter den Mitgliedern.

• Einen wichtiger Faktor stellt auch die Professionalisierung der gemeinsamen Struktur durch die Implementierung einer Geschäftsführung dar, gerade wenn gemeinsame Aufgaben und Budgets im Wachsen begriffen sind und nicht mehr ehrenamtlich geleistet werden können.

Spannungsfelder und Herausforderungen eines Kooperationsmodells

b.a.s.e. wird auf der Grundlage der freiwilligen Kooperation gleichwertiger Mitglieder getragen. Diese ist mit entsprechenden Anforderungen (Engagement, Mitverantwortung, Verbindlichkeit, Einhaltung von Spielregeln) einerseits, aber auch entsprechenden „typischen“ Erfahrungen und Problemen andererseits verbunden. 

Eine derart demokratische Struktur ist insofern voraussetzungsreich, weil gleichwertig getragene Verantwortung und gemeinsame Entscheidungsprozesse in der Regel für alle Beteiligten „anstrengender“ sind als in hierarchischen Organisationsformen. Diese Erfahrung hat nicht zuletzt zur „Entlastung“ der Mitglieder durch die Implementierung einer Geschäftsführung geführt.

Bei aller bisherigen Stabilität wird die Entwicklung von b.a.s.e. von typischen Spannungsfeldern und Herausforderungen begleitet: 

• der grundsätzlichen Heterogenität der inhaltlichen, fachlichen und methodischen Ausrichtungen und Interessen von Mitgliedern und Unternehmen, bei aller Gemeinsamkeit im Bereich der anwendungsbezogenen Sozialwissenschaften;

• die Unterschiedlichkeit von Vorstellungen, Interessen und Bedürfnissen in Bezug auf die gemein-same Struktur: Diese reicht von der Erwartung an b.a.s.e. als „reine“ Bürogemeinschaft bis hin zum Wunsch nach mehr gemeinsamen Aktivitäten;

• die Abhängigkeit der Stabilität des Vereines von der Stabilität seiner Mitglieder in Bezug auf ihre selbständige wirtschaftliche Erwerbstätigkeit. Diese Stabilität hängt von den allgemeinen Rahmenbedingungen für gesellschaftsbezogene Forschung und verfügbaren öffentlichen Mitteln, vom Beratungsmarkt, aber auch von unternehmerischen Fähigkeiten der Mitgliedern selbst ab;

• die Konkurrenz zwischen Mitgliedern von b.a.s.e. bei ähnlichen inhaltlichen Profilen und Angeboten; Mitglieder weichen in Kooperationen außerhalb von b.a.s.e. aus bzw. kooperieren interdisziplinär mit PartnerInnen aus anderen und ergänzenden Kompetenzbereichen;

• die Gestaltung des Alltagslebens in einem Kooperationsmodell und damit verbundene unterschiedliche Haltungen und Verbindlichkeiten bei den Mitgliedern als Quelle von Konflikten – wobei manche auch in Erinnerung an Studienzeiten vom „WG-Syndrom“ sprechen.

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