any:time Architekten, Linz

Ansprechperson:
Christoph Weidinger, Jürgen Haller
Beteiligt:
4 Personen
Typus:
Unternehmen
Branche:
Architektur , Kunst
Rechtsform:
Einzelunternehmen
Ort:
4020 Linz
Recherche:
2009
Durchführung:
Katharina Siegl

Linzer Architekturgemeinschaft mit Ausflug in die Hotellerie

any:time Architekten ist eine 2004 gegründete Linzer Architektengemeinschaft, mit Schwerpunkt auf kleinere und mittlere Projekte sowie Kooperationen und Aufträgen aus dem Kulturbereich. Seit 2008 ist man auch im Hotellerie-Gewerbe tätig, mit dem im Vorfeld der Europäischen Kulturhauptstadt Linz09 gegründeten „Pixelhotel“. 

any:time Architekten besteht aus vier Personen, von denen drei im gemeinsamen Büro in der Linzer Altstadt arbeiten. Eine weitere Person, Viviana Hawryszkow, lebt und arbeitet in Buenos Aires und kooperiert von dort aus. Alle AkteurInnen wurden zwischen 1970 und 1973 geboren und haben ein Architekturstudium absolviert. Das Kern-Team von any:time Architekten in Linz bilden Michael Grugl, Jürgen Haller und Christoph Weidinger. Letzterer ist staatlich beeideter Ziviltechniker und hat damit die Befugnis, weiter reichende Aufträge eigenständig abzuwickeln. Hinsichtlich der Rechtsform gibt es keinen Gesellschaftsvertrag, es arbeiten also ein Freiberufler und zwei neue Selbständige unter einem gemeinsamen Label zusammen. 

Bürointern sind die Aufgaben nicht gleichmäßig, sondern nach den jeweiligen zeitlichen Ressourcen verteilt. Haller arbeitet aus familiären Gründen in einem reduzierten Ausmaß von etwa 35 Stunden für any:time und Pixelhotel, Weidinger verteilt sein deutlich höheres Arbeitspensum auf any:time, Pixelhotel sowie seine Vorstandstätigkeit im Architekturforum Oberösterreich. Grugl bringt ebenfalls ein sehr hohes Arbeitspensum ein. Die Erträge werden entsprechend der jeweils eingebrachten Arbeitsaufwände projektweise verteilt.

any:time Architekten beschäftigen keine unselbständigen MitarbeiterInnen. Für Wettbewerbe werden fallweise ModellbauerInnen auf Honorarbasis hinzugezogen, in Phasen besonders ho-her Arbeitsbelastung werden Tätigkeiten an BerufseinsteigerInnen und StudentInnen verge-ben.

Unabhängig von der Größe eines Bauauftrages kooperieren any:time Architekten häufig mit anderen selbständigen ArchitektInnen und Architekturbüros. Gründe dafür sind zum einen die spezifischen Kompetenzen, die sie in die gemeinsamen Projekte einbringen können und umgekehrt. Ihre Stärken sehen any:time Architekten dabei in der gestalterischen Fähigkeit und der Visualisierung sowie beim Know-how im Bereich der Technologie und Energetik. Leistungen, die any:time bisweilen von PartnerInnen in Anspruch nehmen, sind etwa die Bauabwicklung von größeren Projekten. Ein weiterer Grund für Kooperationen ist der Auftritt als größeres Team. Für ein kleines Büro wie any:time ist dies gerade bei größeren Projekten notwendig, um sie vom Volumen abzuwickeln bzw. eine entsprechende Abwicklungsstärke vorweisen zu können. Dies spielt besonders bei öffentlichen Ausschreibungen und Wettbewerben eine Rolle

Das Netzwerk für Kooperationen rund um any:time besteht dabei aus ehemaligen Arbeitgebern bzw. Büros aus deren Netzwerken sowie ehemaligen StudienkollegInnen und FreundInnen. Neben Partnerschaften unter Gleichaltrigen gibt es dabei auch generationsübergreifende Partnerschaften, wobei der auf diese Weise mögliche Erfahrungs- und Know-how-Transfer sehr geschätzt wird. Im Allgemeinen konstatieren any:time in der Szene ein kooperationsfreudiges Klima, wobei sie Generationsunterschiede feststellen:

"Es hängt schon sehr stark davon ab, in welcher Altersgeneration man die Frage stellt. Ich denke eher so, unter der jungen Generation oder unter der mittleren, wo ich mich auch schon ein bisschen dazuzähle, herrscht schon eher das kollegiale Miteinander. Natürlich freut man sich, wenn wer anderer was gewinnt, aber natürlich will man auch selber genug Aufträge. Bei der älteren Kollegenschaft ist es schon sehr stark erkennbar, dass sie nur eine Zielrichtung haben, und es gibt kein Links und kein Rechts." (Christoph Weidinger)

Zu Aufträgen und KundInnen kommen any:time über private und berufliche Netzwerke und Weiterempfehlungen sowie über die Kooperation mit anderen ArchitektInnen. Im Zuge des Europäischen Kulturhauptstadtjahres Linz09 konnten drei Projekte verwirklicht werden. Dabei handelt es sich um die Ausstellungsarchitektur von "Linz Blick" im Lentos Kunstmuseum, um den Pavillon des Linz09-Projektes "80+1" im Rahmen der Ars Electronica am Linzer Hauptplatz und das viel besprochene Projekt "Pixelhotel", welches gemeinsam mit einem interdisziplinären Team (siehe unten) entwickelt wurde. Mit der Realisierung dieses dezentralen Hotelkonzeptes sind any:time Architekten auch zu Hoteliers geworden. Pixelhotel wird als Verein geführt, in dessen Vorstand any:time vertreten sind.

Die Architektengemeinschaft any:time logiert in einer Bürogemeinschaft in der Linzer Altstadt. Hauptmieter ist der Architekt Vini Sixtus (Vinzenz Naderer). Weitere MieterInnen sind der Organisationsberater Andreas Schwandner und die Organisationsentwicklerin Sigrid Trebo, die jeweils wieder in eigenständigen Netzwerken und Bereichen operieren. Im Büroalltag nutzen any:time Architekten die Synergien einer Bürogemeinschaft. Zwar gibt es im Geschäftsleben wenig Berührungspunkte mit den anderen MieterInnen. Dennoch werden das Gespräch, der Blick über den Tellerrand sowie die Potenziale, die sich aus diesem erweiterten Netzwerk ergeben, sehr geschätzt. Auf die Frage, wie es sei, mit einem potenziellen Konkurrenten Tür an Tür zu arbeiten, antwortet Weidinger:

"Das Feld ist groß genug. Natürlich schadet es nicht, die definierte Konkurrenz Tür an Tür zu haben. Beziehungsweise sehen wir das nicht als Konkurrenz, sondern eigentlich als Verstärkung, in dem Sinne, dass wir sagen, wir könnten uns in diesem Netzwerk auch da austauschen".

Entwicklung und Besonderheiten

Am Beginn von any:time stand eine von Jürgen Haller und Christoph Weidinger 2002/03 gemeinsam bearbeitete Wettbewerbspräsentation für einen damaligen Arbeitgeber, bei dem beide als freie Mitarbeiter tätig waren. Der Wettbewerb wurde gewonnen und in der Folge spalteten sich Haller und Weidinger ab. Michael Grugl ist danach über eine Arbeitsgemeinschaft seines früheren Arbeitgebers mit dem früheren Arbeitgeber von Haller und Weidinger dazugestoßen. Er hat nicht wie Haller und Weidinger an der Kunstuniversität Linz studiert, sondern an der TU Wien und bringt spezifische Kompetenzen aus dem technologischen und energetischen Bereich ein. Mit diesen früheren Arbeitgebern stehen any:time nach wie vor in Kontakt bzw. kooperieren teilweise bei Aufträgen.

Im Jahr 2004 wurde das gemeinsame Büro bezogen, wobei any:time Untermieter des Architekten Vini Sixtus sind, mit dem bereits vorher eine Bekanntschaft bestand. Mit den Erträgen aus dem Wettbewerbsprojekt konnte die Gründung des Büros ohne großes Risiko erfolgen. Christoph Weidinger absolvierte im selben Jahr die Ziviltechnikerprüfung, welche eine wichtige Grundlage für das Büro bildet. Haller und Grugl tragen zu den mit dem Berufssiegel verbunden Versicherungskosten bei, haben jedoch selbst keine staatliche Prüfung absolviert.

Aus diesem Konstrukt ergibt sich eine gewisse Abhängigkeit von Haller und Grugl gegenüber Weidinger, die umso ungewöhnlicher erscheint, als die beteiligten Personen ohne ein die Rechte und Pflichten der einzelnen regelndes Vertragswerk in einer seit Jahren stabilen Konstellation zusammenarbeiten. Das damit verbundene Risiko ist den Akteuren bewusst:

"Das ist natürlich eine gewisse Vertrauenssache. Wenn wir uns zerstreiten, stehe ich eigentlich ohne Befugnis da und kann eigentlich gar nicht arbeiten. Ist halt mein Risiko." (Jürgen Haller)

Als praktische Gründe für die Konstruktion nennen any:time Architekten, dass Weidinger die Voraussetzungen für die Berufsberechtigung einfach als erster erfüllt hatte und dass weitere Bundessiegel im Büro mit zusätzlichen Versicherungskosten verbunden wären. Eine Änderung dieser Situation wäre aus Sicht des Teams erst mit der Übernahme wesentlich größerer Auftragsvolumina und den damit verbundenen Haftungserfordernissen notwendig.

Die alltägliche Zusammenarbeit ist von großem Vertrauen und einer erprobten Konfliktkultur geprägt. Weidinger spürt zwar "teilweise" schon die Last der Verantwortung, betont aber die freundschaftliche Basis, das Vertrauen und die Freiheiten, welche die Zusammenarbeit bringt:

"Die Qualität liegt darin, dass man, je nach dem wie viel man selber einbringen will in das Büro, auch selber einbringen kann. Und das dann von den Büropartnern relativ schnell wieder zurückbekommt. Dass es ja nicht nur eine reine Zweckgemeinschaft ist, sondern eigentlich eine Interessensgemeinschaft. Wir kennen uns dann doch relativ lange und haben ähnliche Interessen." (Christoph Weidinger)

Pixelhotel: Kunstprojekt, Stadtteilbelebung, Architekturvermittlung, Hotel

Im Vorfeld von Linz09 kam es mit der Entwicklung des Projektes "Pixelhotel" zu einer Weiterentwicklung des Handlungsfeldes von any:time. Gemeinsam mit dem Linzer Architekten Richard Steger wurde die Idee zu einem dezentralen Hotel geboren, mit einzelnen Zimmern in adaptierten Objekten in den jeweiligen Stadtteilen, die individuell gestaltet den spezifischen Charakter und die Geschichte des Ortes einbeziehen. Zu den weiteren Verantwortlichen von Pixelhotel gehören der IT-Berater Christoph Leeb und die Kunst- und Kulturschaffende Sabine Funk. Weiters sind einige junge Kunst- und Kulturschaffende als AuftragnehmerInnen für die Gestaltung und im operativen Bereich beteiligt.

Mit dem Pixelhotel haben any:time und ihre PartnerInnen nicht nur fachliches Neuland - es gab keinerlei Erfahrungen in der Hotellerie - betreten, das Projekt war und ist mit einer Reihe ungewöhnlicher Herausforderungen verbunden. Derzeit gibt es sechs "Pixel" genannte Zimmer in Linz, doch für die Suche nach geeigneten Objekten in verschiedenen Stadtteilen wurden zuvor rund 200 Standorte recherchiert. Ziel ist es,

"[…] Alltagskultur zu vermitteln, ein Leben im Hotel, aber unter den Linzern und abseits vom touristischen Mainstream. Wir haben absichtlich Räume abseits der Landstraße [Anm.: die zentrale Einkaufsstraße in der Linzer Innenstadt] gesucht." (Architekt und Pixelhotel-Partner Richard Steger im Interview, Die Presse, 24. Jänner 2009).

Eine besondere Herauforderung stellt die dezentrale Gästebetreuung dar. Die Anmeldung erfolgt meist telefonisch oder per eMail bei den dafür zuständigen MitarbeiterInnen. Die Schlüsselübergabe erfolgt nach Vereinbarung irgendwo im Stadtgebiet, danach machen sich die Gäste womöglich auf eigene Faust auf den Weg zu ihrem Zimmer:

"Im Pixelhotel kann schon der Weg zum Zimmer ein Abenteuer sein. [...] Denn wenn sie einen Treffpunkt außerhalb Ihres Pixels abgemacht haben, müssen Sie es erst einmal finden." (Christoph Weidinger im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, 11. Dezember 2008).

Für die Verpflegung der Gäste erhalten diese Gutscheine in Bäckereien, Cafés und Restaurants in der Nähe der Pixel. Für die Reinigung der Zimmer wird mit einem Sozialverein kooperiert, die Reinigungskräfte müssen ebenfalls durch die Stadt zu den Zimmern fahren.

Das Pixelhotel ist für die InitiatorInnen nicht nur ein gewöhnliches Hotel, sondern ein Kunstprojekt zur Stadtteilbelebung und Architekturvermittlung. Nach 2009 muss es sich ohne die Förderungen über die Kulturhauptstadt selbst tragen. Weiters wird angestrebt, auch in anderen europäischen Städten Pixelhotels zu lancieren.

Für any:time selbst ist das Pixelhotel sowohl ein weiteres Standbein, als auch eine neue Visitenkarte. Haller verweist auf die Bedeutung für den Bekanntheitsgrad des Büros insbesondere in künstlerisch interessierten Kreisen, die über die Pixelhotel-Homepage auf any:time aufmerksam werden. Und für Weidinger, der mit dem Pixelhotel auch seiner Leidenschaft für Architekturvermittlung nachgeht, ist es ein Beispiel für die Entwicklung des Büros durch das Umsehen in anderen Berufsfeldern. Mit dem Pixelhotel erweitern any:time ihre Rolle als Planer und werden selbst zu Bauherren und zu Betreibern. Das dafür notwendige Know-how erlangen sie durch Kooperation:

"Durch das, dass wir im Team arbeiten und auch sehr vernetzt arbeiten, können unterschiedliche Schwerpunkte von den unterschiedlichen Personen besetzt werden." (Christoph Weidinger)

Auch für Linz09 ist das Pixelhotel ein Aushängeschild, über das in zahlreichen österreichischen und internationalen Medien berichtet wurde. So bewohnte etwa der britische Journalist Patrick Barkham gleich zwei verschiedene Pixel und beschreibt seine Eindrücke über seinen Besuch in Linz ausführlich in einer unterhaltsamen Reportage für den Guardian (The Guardian, 28. Februar 2009, Section Travel Features, S. 5).

Erfolgsfaktoren für das Arbeiten im Netzwerk

any:time sind ein Team, dessen Erfolg auf das Vertrauen zueinander und in die Vorteile von Kooperation basiert. Die Interviewpartner Christoph Weidinger und Jürgen Haller betonen jeweils die positiven Synergien, die aus der Zusammenarbeit entstehen, sowie die Freiheit, die Abwechslung und die Entfaltungsmöglichkeiten, die dieses Arbeiten ermöglicht. Man profitiert wechselseitig von den Fähigkeiten der anderen, ist beflügelt vom Ideenwettbewerb, lernt voneinander, hilft einander aus, wirkt bei Bedaruf aufeinander regulierend und ergänzt sich so "in seinen Inkompetenzen", wie Haller es ausdrückt. Die Konstruktion von any:time ermöglicht es, bei gemeinsamen Zielen auch individuelle Präferenzen auszuleben. Für Weidinger liegt ein Vorteil der Konstruktion von any:time in der Flexibilität:

"Den Vorteil sehe ich eigentlich relativ stark darin, dass man sehr flexibel auf Aufgaben zugehen kann, flexibel dahingehend, wie man sein Team zusammenstellt. Wie man dann auch zu Aufgabenstellungen und zu Aufträgen kommt, man dann auch unterschiedlich das Team zusammenstellen kann. Das ist ein Vorteil, wenn man selber klein und schlagkräftig ist und weiß, auf wen man zugreifen kann, wen man da einbinden kann ins Netzwerk." (Christoph Weidinger)

Diese Flexibilität kommt auch bei Haller zum Ausdruck: "Mir ist das einfach sympathischer, in kleinen Einheiten zu arbeiten, weil ich einfach Vielfalt mag. Und von meiner Persönlichkeit auch immer unterschiedliche Dinge, immer was anders tun mag. […] Es ist so ein Plasma, dass ich nie lange dasselbe tun muss. Ich bin wahrscheinlich auch von der Persönlichkeit so gestrickt, dass ich das auch brauche." (Jürgen Haller)

Klare Prozessverantwortung

Bei aller Flexibilität haben sich für die Abwicklung von Projekten bestimmte modi operandi entwickelt. In unregelmäßigen Meetings, die bei Bedarf stattfinden - das Team trifft sich ohnehin fast täglich im Gemeinschaftsbüro und kommuniziert dadurch laufend - wird je Projekt ein Verantwortlicher bestimmt, der den termintreuen Ablauf der einzelnen Planungsphasen steuert und überwacht. Der Projektverantwortliche ist auch Hauptansprechpartner für die AuftraggeberInnen und hat die überwiegenden Entscheidungskompetenzen.

Zu Beginn des Kreationsprozesses sind alle Team-Mitglieder eingebunden. Danach wechseln die Zuständigkeiten für die weiteren Planungs- und Ausführungsphasen entsprechend den individuellen Stärken und den zeitlichen Ressourcen der Teammitglieder. Der Projektverantwortliche achtet jeweils auf den Projektfortschritt und die Einhaltung von Fristen. Während dieser Vorgang im internen Ablauf gut eingespielt ist, kann es in der Kooperation mit externen PartnerInnen zu Problemen führen, "wenn nicht klar definiert ist, wer der Dirigent des Orchesters ist", so Christoph Weidinger im Interview. Um dies sicherzustellen, sind eine klare Kommunikation und präzise Vereinbarungen mit KooperationspartnerInnen und SubauftragnehmerInnen eine wichtige Voraussetzung.

Kommunikation auf derselben Wellenlänge

Die Qualität des Arbeitens hängt für any:time auch von einer gewissen Affinität mit den PartnerInnen ab. So betont Haller die Bedeutung von Meinungsvielfalt und unterschiedlichen Perspektiven in einer Kooperation. Es müsse jedoch eine solide Basis aus gemeinsamen Werten und Idealen vorhanden sein, sonst "blocke er ab".

Weidinger arbeitet gerne mit PartnerInnen, die ebenso enthusiastisch sind wie any:time: "Man braucht auch Partner, die wie wir selber neugierig sind auf neue Bauaufgaben, auf neue Arten von Konstruktionsmethoden und auch Einsatz von Materialien. Um auch dann das Bauen in gewisser Weise innovativer zu gestalten. Und da braucht es auch das nötige Gegenüber, das [...] das nötige Know-how und seine Neugierde einbringt." (Christoph Weidinger)

Allgemein betonen any:time die große Bedeutung von Kommunikation für erfolgreiches Arbeiten. Das betrifft sowohl die Arbeit unter gleichwertigen PartnerInnen als auch den Umgang mit AuftraggeberInnen und AuftragnehmerInnen. Gerade in Konfliktsituationen könne man über die Bewahrung einer guten Kommunikationsbasis vieles leichter lösen - nicht zuletzt in der sehr stark arbeitsteilig operierenden Baubranche:

"Ich glaube, dass einfach Kommunikation der wichtigste Faktor ist, um Erfolg zu haben. In jeglicher Hinsicht, ob es jetzt um visuelle Geschichten geht, gerade auch in der Architektur, oder Verhandlungen, wie die ersten Präsentationen laufen. Alles nachher auf den Baustellen … kann ich natürlich hart spielen und mit irgendwelchen Rechtsanwälten und Vertragswerken drohen. Meistens geht das aber einfacher, indem man einfach eine Gesprächsbasis mit den anderen aufbaut. Ich sehe mich bei diesen Dingen immer in einer relativ flachen Hierarchie. Ich will da nicht irgendwie klassisch wie ein Architekt auftreten und auf den Putz hauen, und irgendwen zur Sau machen, das tue ich nicht." (Jürgen Haller)

Natürlich ist damit nicht alles zu lösen. So lautet eine Lektion, dass für bestimmte Aufgaben, wie etwa eine besonders strikt kostenorientierte Bauabwicklung, externe PartnerInnen beauftragt werden, die darauf spezialisiert sind. Eine weitere Lektion ist, für den Fall der Fälle Ausstiegsbedingungen aus einem Projekt vorher bereits vertraglich festzulegen. Diese sollen als Absicherung dienen, damit nicht einerseits einer der Partner - Bauherr oder Architekturbüro - beim ersten Konflikt aussteigen kann, andererseits aber bei weitreichenden Auffassungsunterschieden die Trennung möglichst klar vollzogen werden kann.

Netzwerke

Das engere Netzwerk, das sich für any:time aus den PartnerInnen bei Pixelhotel, der Bürogemeinschaft und den KooperationspartnerInnen für Bauaufträge zusammen setzt, besteht aus etwa 20 Personen. Jeder der drei in Linz situierten Mitglieder von any:time bringt darüber hinaus noch fallweise persönliche Netzwerke ein. Weidinger nimmt hier durch sein Berufssiegel und die Vorsitztätigkeit im Architekturforum Oberösterreich eine besondere Rolle ein. Durch die damit verbundenen Aufgaben im Bereich der Architekturvermittlung, gelegentliche Jury-Tätigkeiten und Repräsentationsverpflichtungen ist er in ein weitläufiges Netzwerk eingebunden, von dem sicher auch any:time profitieren.

Als besonders wichtig erachten any:time die Vernetzung über die Disziplin hinaus. In Linz spielt hier die eng vernetzte und lebhafte freie Kunst- und Kulturszene eine große Rolle, ebenso der Kontakt zu DesignerInnen, die beispielsweise wertvolle Impulse im Umgang mit Materialien und Formen setzen.

Im Netzwerk zählt vor allem der persönliche Austausch, wobei hier Online-Kontakte an Bedeutung für den Erfahrungsaustausch und den Know-how Transfer gewinnen. Trotz der gut eingeführten österreichischen Online-Plattformen für Architektur sind any:time dort unterrepräsentiert. Insofern beschreiben sich die Akteure auch als schlechte Nutzer. Die Pflege von Online-Kontakten und Repräsentanzen sei einerseits sehr zeitaufwändig, andererseits seien die vorgefundenen Inhalte oft wenig aussagekräftig:

"Ich finde es insofern nicht relevant, weil ich im Virtuellen einfach eine Identität zulegen kann. Und beim Bauen geht es um konkrete Dinge und nicht um große Worte." (Jürgen Haller)

Quellen:

Interview mit Jürgen Haller am 21.7.2009, Interview mit Christoph Weidinger am 5.8.2009 
Die Presse, Hotelier im Nebenberuf: Architekt sucht Hausschuh, 24.1.2009, http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/446664/index.do?from=suche.intern.portal (15.9.2009)
Süddeutsche Zeitung, Suche das Zimmer!, 11.11.2008, www.sueddeutsche.de/reise/339/451054/text/ (15.9.2009)
The Guardian, No chintz in Linz, 28.2.2009, www.guardian.co.uk/travel/2009/feb/28/linz-hotel-european-capital-culture (15.9.2009)

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