Amour Fou, Wien

Ansprechperson:
Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Bady Minck
Beteiligt:
ca. 10 Personen und größere Teams bei Filmproduktionen
Typus:
Unternehmen
Branche:
Film / Video / Schauspiel
Rechtsform:
GesmbH
Ort:
Wien
Recherche:
2010
Durchführung:
Martin Pachel / Philip Schörpf

Spezialist für künstlerische Filmproduktionen

Amour Fou ist eine Wiener Filmproduktionsfirma, die auf künstlerische Produktionen spezialisiert ist und sich dabei als Schnittstelle zwischen jungen RegisseurInnen und Förderinstitutionen versteht. Gegründet wurde das Unternehmen 2001 von den ProduzentInnen Alexander Dumreicher-Ivanceanu und Gabriele Kranzelbinder sowie den RegisseurInnen Virgil Widrich, Bady Minck und Thomas Woschitz. 2007 gab es durch das Ausscheiden einiger Gründungsmitglieder Umstrukturierungen. Heute wird Amour Fou von zwei Personen geleitet, Alexander Dumreicher-Ivanceanu und Bady Minck. Ersterer ist als Produzent für die bei Amour Fou produzierten Filme verantwortlich und fungiert zugleich als Geschäftsführer. Bady Minck ist neben ihrer Tätigkeit als Regisseurin / Künstlerin ebenfalls Produzentin – bei ihren eigenen Filmen und für verschiedene Amour Fou-Projekte. Die nachfolgende Beschreibung basiert auf einem Interview mit Bady Minck.

Organisationsstruktur

Neben den beiden GesellschafterInnen gibt es ein kleines, dauerhaft angestelltes Team. Dadurch, dass die Filmförderung in Österreich „sehr, sehr niedrig ist, quasi Existenzminimum“, können weniger Leute beschäftigt werden, als für den täglichen Geschäftsbetrieb eigentlich notwendig wären. Für die zusätzliche anfallende Arbeit könnten demnach zwei oder drei zusätzliche MitarbeiterInnen eingestellt werden. Diese Unterbesetzung äußert sich in einer hohen Belastung der Beschäftigten, doch wegen des engen finanziellen Rahmens kann die Situation derzeit nicht geändert werden. Für die Dauer einer Filmproduktion müssen zusätzlich selbstständige Kreative wie Kameramänner/frauen, BeleuchterInnen, AusstatterInnen, Personen für Schnitt oder Postproduktion, etc. projektbezogen angestellt werden. Der tatsächliche MitarbeiterInnenstand kann daher nach Auftragslage und Arbeitsstufe variieren; bis zu 30 weitere Angestellte sind in solchen Phasen möglich.

Es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten, wie ein Projekt bei Amour Fou zustande kommen kann: Entweder tritt ein/e RegisseurIn mit einer Idee in Form eines Treatments oder Exposés an das Unternehmen heran, oder eines der Mitglieder von Amour Fou möchte selbst einen bestimmten Film produzieren. Dass Amour Fou eine Produktionsfirma ist, bedeutet unter anderem auch, dass sie als Schnittstelle zwischen RegisseurInnen und der Seite der Filmfinanzierung (zumeist Filmförderung) agiert. Die Entscheidungen über die Filme, die Amour Fou als Produktionsfirma übernimmt, werden zu viert oder zu fünft im Team getroffen; die Firmenleitung nimmt jedoch immer an der Entscheidung teil. Da sie als Produzenten die finanzielle Verantwortung tragen, sieht die getroffene Regelung vor, dass mindestens eine/r von beiden für die Genehmigung eines Projektes stimmen muss.  

„Natürlich –  sagen wir zum Beispiel einmal, es sind drei im Team –  wenn alle drei ‚Ja‘ sagen und wir beide ‚Nein‘, dann können wir das nicht machen, weil wir müssen ja dafür haften, wir müssen Geld dafür auftreiben, wir müssen das den Förderern gut rüberbringen. Also müssen wir auch überzeugt sein, zumindest einer von uns.“

Obwohl die Verantwortlichkeiten und Tätigkeitsbereiche klar zugeteilt sind, kann es zu Überschneidungen kommen. Um Konflikte dieser Art zu lösen, gibt es wöchentliche Meetings, an denen die MitarbeiterInnen teilnehmen (der so genannte „Fou fixe“) und derartige Probleme diskutiert werden können. Die Kompetenzen werden in diesem Rahmen zugewiesen oder bei Bedarf anders verteilt. Mithilfe dieser Methode und aufgrund der jahrelangen Erfahrung in der Zusammenarbeit hat es deshalb kaum noch größere Konflikte gegeben

Die finanzielle Verantwortung obliegt, wie schon angesprochen, den GesellschafterInnen. Gewinne werden zum überwiegenden Teil wieder in die Struktur investiert. Wenn Verluste anfallen, müssen Kredite aufgenommen oder Rücklagen aufgelöst werden, um Kontinuität in der Produktion gewährleisten zu können.

„Wenn wir Gewinn machen, wird das dann wieder investiert, wir brauchen ja immer wieder neue Geräte, neue Möbel, wir brauchen einen neuen Anstrich. Das mit den Gewinnen haben wir meistens ziemlich schnell erledigt.“

Geschichte und Entwicklung. Von der Entdeckung einer Marktlücke bis zum arrivierten Unternehmen

Bady Minck gründete schon 1995 gemeinsam mit Alexander Dumreicher-Ivanceanu in Luxemburg die Produktionsfirma Minotaurus Film. Damals, so Minck, war die Firma eine „Nebenbei-Produktion, wir haben einen Film im Jahr produziert“. Trotzdem sieht sie diese frühere Firma als Grundstein für die Entwicklung in den folgenden Jahren, da sie sich dort das zur Filmproduktion notwendige Wissen und technische Know-How über Finanzierungsmechanismen, internationale Koproduktionen und den Umgang mit Förderstellen aneignen konnte.

Ausschlaggebend für die Gründung einer eigenen Produktionsfirma war schlussendlich – neben dem Fehlen einer auf künstlerische Filme spezialisierten Produktionsfirma in Luxemburg – die Möglichkeit zur Mitbestimmung bei der Produktion der eigenen Filme. Hinzu kommt ein weiterer kreativer Ansporn:

„Mir macht es einfach Spaß, Projekte von KollegInnen in die Welt zu setzen. Da habe ich das Gefühl, dass ich so meine Kreativität noch viel mehr ausleben kann. Und es gibt so viele tolle KünstlerInnen, die aber einfach so in den Wolken leben, dass sie etwas so kompliziertes, wie einen Film zu machen, nie auf die Reihe bekommen. Da ich das Know-How schon hatte, habe ich damals schon Künstlerfreunden unter die Arme gegriffen.“

Um ihre Filmprojekte Anfang der 1990er Jahre zu finanzieren, drehte Minck auch einige erfolgreiche Werbefilme. Diese Erfahrungen beschreibt sie in künstlerischer Hinsicht als „aushungernd“. Als zu subversiv empfundene Szenen musste sie beispielsweise immer wieder entfernen, d.h. von ursprünglichen Entwürfen abrücken. Gleichzeitig stellten die Werbefilme den Zugang zu einer professionellen Filmszene mit höheren Budgets und professionellen MitarbeiterInnen dar, was wiederum starken Einfluss auf ihre ersten „großen“, d.h. geförderten, Filme hatte. Sobald Bady Minck die ersten Förderzusagen für ihre Filme bekam, zog sie sich dann auch, von wenigen Ausnahmen abgesehen (beispielsweise Spots für die Krebshilfe), aus dem lukrativen Werbegeschäft zurück

Im Jahr 2001 entstand schließlich Amour Fou in Österreich. Die Gründungsmitglieder kannten sich zwar schon aus der Filmbranche, fanden sich aber über die Teilnahme am organisierten Protest gegen die damalige österreichische Bundesregierung unter Schüssel und Haider als Gruppe mit gemeinsamen Interessen. Da es hierzulande bis dahin keine Produktionsfirma gab, die sich auf Filme mit überwiegend künstlerischen, experimentellen und surrealistischen Inhalten mit osteuropäischem Einfluss spezialisierte, erkannte man diesen Bereich als Nische, die man besetzen wollte. Von diesem Zeitpunkt an verlief die Entwicklung der heute arrivierten Firma sehr rasant. Schon zwei Jahre später wurde den ersten vier von Amour Fou produzierten Filmen die Auszeichnung zuteil, eine Einladung zu den Filmfestspielen in Cannes zu bekommen. Die vier Filme wurden nacheinander in verschiedenen Wettbewerben eingereicht und am Ende alle aufgenommen. Dies markierte einen bedeutenden Punkt in der Geschichte der jungen Produktionsfirma. Um den durch die Nominierungen anfallenden Arbeitsaufwand bewältigen zu können, mussten weitere MitarbeiterInnen eingestellt werden und aus dem Team von RegisseurInnen und ProduzentInnen wurde schließlich ein Unternehmen. 

Mit POOOL Film wurde dann im Jahr 2005 ein eigener Filmverleih ins Leben gerufen. Durch diesen konnte Amour Fou stärkeren Einfluss auf die Vermarktung der Filme im Zeitraum nach der Produktion nehmen und so die Verwertung gezielter forcieren, als dies im Rahmen der sonst üblichen langen Abstände zwischen Produktion und Ausstrahlung im Kino möglich ist. Im selben Jahr wurde außerdem zusammen mit anderen Produktionsfirmen der internationale Filmvertrieb Autlook Films gegründet.

Einen markanten Punkt in der Geschichte von Amour Fou, besonders in Hinblick auf die Organisation des Unternehmens, stellten die Ausstiege von Virgil Widrich und Gabriele Kranzelbinder, die mit KGP ihre eigene Produktionsfirma gründete, im Jahr 2007 dar. Bady Minck beschreibt die durch den Weggang entstandenen Lernprozesse in der internen Zusammenarbeit als die neuen Herausforderungen der Firma.

„Krise kann man es nicht nennen, aber es war ein Bruch, weil man die Mitarbeiter aufteilen musste, man musste die Projekte aufteilen, man musste die Güter, die Möbel, die Schnittplätze aufteilen, das war schon, sagen wir mal, ein Schmerz, dass man sich so trennt. Sicher es war die richtige Entscheidung, aber es tut trotzdem weh. Besonders die Mitarbeiteraufteilung war besonders schmerzhaft. Weil vorher hat man ja alle Projekte gemeinsam gemacht, nur dass halt einer mehr zuständig war als ein anderer. Also die Projekte waren von uns allen, wir haben alle Herzblut hineingelegt und plötzlich muss man teilen. […] Gabriele hat immer schon gesagt, dass sie vielleicht irgendwann lieber ein eigenes ‚Schnellboot’ hätte. Sie sieht sich auch als Produzentin, und da mussten wir immer zu fünft entscheiden, oder zu viert, je nach dem, und das war halt langsamer. Ja, ich glaube, sie hat plötzlich einfach gewusst, wie es geht und sie muss sich nicht mehr mit dem auseinandersetzen, dass vier Leute über jedes Projekt beratschlagen und entscheiden. […] Es hat sich aber auch gezeigt, dass wir ein bisschen verschiedene Prioritäten haben, die Gabriele hat beispielsweise weniger Freude an der Auswertung gehabt, aber das hätten wir auch lösen können. Das größte Argument war, dass sie einfach ihre eigene Firma haben wollte… Aber sie war gut, die Zusammenarbeit, weil wir so beide viel voneinander gelernt haben. Und ab dem Moment, ab dem wir nicht mehr voneinander lernen konnten, haben wir uns dann getrennt und verstehen uns noch immer gut.“

Widrich hingegen wurde Professor an der Angewandten, hatte seine eigenen Spielfilmprojekte, und schied wegen persönlichem Zeitmangel aus dem Projekt aus. Durch die Ausstiege veränderte sich auch die Gruppendynamik bei Amour Fou; Entscheidungen, die anfangs in einer größeren Gruppe diskutiert werden mussten, können mittlerweile von zwei Personen getroffen werden. Minck sieht das als Vorteil, da die Entscheidungsfindung dadurch flexibler und schneller wurde. Sie räumt jedoch gleichzeitig ein, dass man jetzt „aber weniger Gehirne hat, die mitdenken“.

Vorteile und Nachteile der Arbeitsweise

Einen der großen Vorteile an ihrer Arbeitsweise als Regisseurin und Produzentin im Rahmen von Amour Fou sieht Bady Minck in der Vielfältigkeit der Tätigkeit und, damit einhergehend, dass ihre Kreativität nicht nur auf die Herstellung eigener Filme beschränkt ist, sondern auch auf die Produktion von Stoffen anderer RegisseurInnen ausgeweitet werden kann. Die Einflussnahme auf die Produkte sowie die Möglichkeit, eigenständige Filme zu produzieren – die ohne Zutun von Amour Fou nicht hätten hergestellt werden können – bewertet sie ebenso als positiv. Demgegenüber gefällt sich die Regisseurin in der Rolle der Unternehmerin weniger gut, da mit dieser Position – fälschlicherweise, wie sie betont –, gewöhnlich ein hohes Einkommen und Lebensstandard assoziiert werden. Vor allem in der strengen Kunstszene sei ein solcher Ruf nicht immer von Vorteil. Probleme entstehen durch die jeweilige Sichtweise des Umfeldes – künstlerisch oder kommerziell –, in dem gearbeitet wird.

„In Österreich ist das so üblich, dass man Werbefilme nicht an die große Glocke hängt. Aber in Luxemburg ist das Gegenteil, und ich kam halt aus Luxemburg und war gewöhnt, wie man dort umgeht, und dort ist es eine Ehre, wenn ein Regisseur einen Werbefilm macht. Und deshalb kann man dann dort öffentlich darüber sprechen, und sagen ‚ja, die Werbung ist von mir’, und das ist ein Pluspunkt. Das habe ich habe dann in Österreich auch gemacht, da habe ich auch immer erzählt, und warum sollte ich auch nicht? Und da habe ich dann ein paar Jahre gebraucht, um zu merken, dass ich meinen Ruf ruiniere und dass alle schweigen. Und die, die auch Werbefilme machen, erzählen so etwas nicht.“

Probleme und Schwierigkeiten in der Branche

Grundsätzliche Probleme entstehen immer wieder aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel, die in der österreichischen Filmbranche zur Verfügung stehen. Dies kann sich insbesondere dann negativ auf die Realisierung von Projekten auswirken, wenn die Stoffe besonders experimentell sind oder der Bezug zum Land Österreich fehlt. (Für den Erhalt der Länderförderungen ist ein Zusammenhang mit der Region Voraussetzung). Wenn eine Änderung des Drehbuchs aus Sicht der jeweiligen RegisseurInnen nicht in Frage kommt, gibt es noch die Möglichkeit, auf internationale Fördertöpfe zurückzugreifen. Sehr ungewöhnliche Drehbücher seien aber, bezogen auf die Finanzierung, grundsätzlich problematisch. Laut Bady Minck könne man jungen FilmemacherInnen daher in vielen Fällen raten, bei den ersten Filmen mit niedrigem Budget zu beginnen.

Ein weiteres Problem: Unter den von Amour Fou zur Förderung eingereichten Projekten würden Anträge von Frauen doppelt so oft abgelehnt wie die männlicher Kollegen. Deshalb unterstützt Amour Fou gezielt Projekte von Regisseurinnen, da diese besonderen strukturellen Hindernissen in der Filmbranche gegenüberstehen. Minck kann von eigenen Erfahrungen in der Werbebranche berichten:

„Ich wurde einmal zu Coca-Cola bestimmt, da hatte ich schon drei Mal hintereinander die goldene Venus gewonnen, mit drei verschiedenen Werbefilmen. Mein Name sagt nicht, ob ich eine Frau oder ein Mann bin, und dann hat mich die Sekretärin von Coca-Cola angerufen und gesagt, sie wären interessiert, den nächsten Werbefilm mit mir zu machen. Und ich wusste, wenn man einen Werbefilm für Coca-Cola macht, ist man ganz oben. […] Als ich dann dorthin kam, hat die Sekretärin gefragt: ‚Ja, konnte denn der Herr Bady Minck nicht selbst kommen?’ Und dann kamen die Herren von der Agentur, acht Männer, alle mit Anzug und Krawatte und alle ‚mittelalt’ und die erste Frage war: ‚Warum ist denn der Herr Bady Minck nicht selber gekommen?’ […] Als sie sich dann später nicht gemeldet hatten, habe ich angerufen und die Sekretärin sagte mir, dass sie sich gegen mich entschieden hätten. Sie konnte mir nicht sagen warum, aber sie glaubte, dass sie ein so hohes Budget einer jungen Frau nicht zutrauen würden. Da wusste ich, wie der Hase läuft. Das war ein absolutes Schlüsselerlebnis.“

Erfolgsfaktoren – Teambildung, das können wir!

Durch kontinuierlich erfolgreiches Arbeiten in der Filmbranche während der letzten Jahre kann das Unternehmen Amour Fou auf einen großen Pool an selbstständigen Kreativen, wie beispielsweise für Schnitt, Kamera, Musik, etc. zurückgreifen. Dieses Netzwerk wird bei der Realisierung eines Projekts genützt. Wie eingangs schon erwähnt, ändert sich die Zusammensetzung der Teams je nach Projekt. Wenn sich eine bestimmte Kooperation allerdings bewährt, werden die gleichen Personen zumeist erneut engagiert. „Wenn man einmal jemanden gefunden hat, der zum Beispiel für Schnitt ideal ist, dann lässt man ihn nicht mehr los“. Schwierigkeiten können sich dann ergeben, wenn die externen MitarbeiterInnen bereits in anderen Projekten beschäftigt und somit nicht verfügbar sind.

Obwohl die Teambildung für Filmprojekte einfacher funktioniert, wenn auf bewährtes Personal oder Bekannte und Freunde zurückgegriffen wird, achten die EntscheidungsträgerInnen bei Amour Fou stets darauf, die für die einzelnen Projekte am besten geeigneten Personen auszuwählen. Das Konfliktpotential nimmt dadurch zwar zu, gleichzeitig kann durch diese Variation aber die künstlerische und handwerkliche Qualität gesteigert werden. Darüber hinaus lernen RegisseurInnen, über solche Konflikte mit Widerstand in ihren Teams umzugehen, was als ein sehr wichtiges Element von erfolgreicher Arbeit an Filmproduktionen erachtet wird.

Als grundsätzliches Erfolgsrezept von Amour Fou nennt Minck die über die Jahre gute Zusammenarbeit des Teams sowie die Erfahrung und das handwerkliche Wissen der Gründungsmitglieder. Nachdem man das Unternehmen in den ersten Jahren „auf Schiene“ gebracht hatte, wurde der Betrieb weiter professionalisiert: die MitarbeiterInnen lernten durch die vielen Filmproduktionen dazu, die Qualität der Förderanträge stieg, und die darin enthaltenen Verwertungskonzepte waren besser ausgearbeitet, was sich im Laufe der Zeit auch in einer Steigerung der Förderzusagen niederschlug. Ein Teil des Rezeptes bei Amour Fou liegt daneben auch in der Zielgruppenarbeit. Gemeinsam mit POOOL Film werden regelmäßige Treffen veranstaltet, bei denen beispielsweise Promotion für bestimmte Zielgruppen ausgearbeitet wird. Dadurch können neue Publikumsschichten angesprochen und ein höheres (künstlerisches) Risiko bei Filmen für ein spezielles Publikum eingegangen werden. 

Die Mitglieder von Amour Fou sind außerdem in beruflichen Netzwerken wie Interessenvertretungen und Berufsverbänden engagiert, die vor allem in Notsituationen von Bedeutung sind. Als Beispiele für gelungene – und teilweise auch berufsgruppenübergreifende – Zusammenarbeit werden die Gespräche zur Lösung der Krise des ORF oder das Engagement gegen eine kommerziell gelagerte Neuorientierung des Filmfestivals Diagonale genannt. Interessenvertretungen, Förderinstitutionen, Wirtschaftskammer und andere Vereinigungen arbeiteten dazu gemeinsam Lösungsvorschläge aus. Neben der institutionalisierten Netzwerkarbeit bleibt nur noch wenig Zeit, sich in externen Communities zu engagieren; dies fällt vorwiegend den MitarbeiterInnen bei Amour Fou zu, die z.B. auch in diversen elektronischen Netzwerken aktiv sind.

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